Max Beckmann
Bildnis Rietje und Nelly Lütjens
Beschreibung
• Eine der intimsten Szenen der seltenen Familienporträts Beckmanns
• Dr. Helmuth Lütjens, Leiter der Amsterdamer Filiale der Kunsthandlung Paul Cassirer, ist der wichtigste Unterstützer Beckmanns während dessen Exils in den Niederlanden
• Seit 1987 in der renommierten Sammlung von Serge Sabarsky, Neue Galerie New York
Der Winter 1944/45 in Amsterdam ist sehr hart, es gibt kaum Nahrungsmittel oder Kohle, man wartet auf die Befreiung von der deutschen Besatzung. Für Max Beckmann stellen in dieser Zeit die Besuche bei dem Kunsthändler Helmuth Lütjens und dessen Familie beruhigende Lichtblicke dar. Sie regen den Maler dazu an, das Thema "Mutter und Kind" aufzugreifen, das ansonsten in seinem Werk sehr rar ist.
In klassischer Manier zeigt er Nelly Lütjens als sitzende Mutter mit ihrer kleinen Tochter Rietje auf dem Schoß. Mit ihrem Arm umfängt sie das Kind, die Hände gefaltet. Diese fürsorgliche Geste wird von Rietje wiederholt, indem sie eine Puppe vor sich hält. Der für das Bild bestimmende Farbakkord von Blau, Weiß und Rot gibt dem Gemälde eine ruhige Ausstrahlung, ist aber auch eine Anspielung auf die Nationalität der Dargestellten, denn Nelly Lütjens ist Niederländerin.
Die Familie Lütjens bewohnt in Amsterdam ein Haus in der Keizersgracht 109, in der sich auch die Räume der Galerie Paul Cassirer befinden, die Helmuth Lütjens leitet. Dorthin hat Beckmann seine Gemälde zur sicheren Aufbewahrung gegeben. Jeden Freitag sucht der Künstler Helmuth Lütjens auf. Oftmals zeichnet er die Familie. Im September 1944 wohnt der Maler mit seiner Frau Quappi sogar eine Woche dort, um beim erhofften Einmarsch der Alliierten vor etwaigen Anfeindungen als Deutsche geschützt zu sein.
Im Anschluss an diesen Aufenthalt malt Beckmann das "Familienbild Lütjens" (MB-G 683): Es zeigt das Ehepaar Lütjens beim Betrachten eines Bildes, wohl eben dieses "Familienbildes". Nur die kleine Tochter schaut in eine andere Richtung. Sie hält in der einen Hand einen Hampelmann hoch und deutet mit der anderen Hand auf diesen. Beckmann weist hier schon auf die Reaktion des Kindes beim Anblick des "Familienbild Lütjens" hin: Rietje zeigt auf den Hampelmann, den es gerne hätte, aber nicht hat.
Kaum wird das "Familienbild Lütjens" an Weihnachten 1944 in Lütjens Haus aufgestellt, beginnt Beckmann auch schon mit Entwürfen für ein weiteres Familienporträt. Die freitäglichen Besuche werden ebenfalls fortgesetzt. Am 19. Januar 1945 vermerkt Beckmann: "(...) will nachher zu Lütjens gehen, mein Morphium in diesen Zeiten."
"Bildnis Rietje und Nelly" ist die Fortführung des "Familienbild Lütjens." Hier setzt der Maler nun das Kind in den Mittelpunkt und gibt ihm eine Puppe in die Hände.
Der intensive Arbeitsprozess an dem Bild lässt sich im Tagebuch verfolgen. Am 15. Februar 1945 notiert Beckmann: "Zum ersten Male gründlich an Nelly mit Kind. Wird mir noch viel Arbeit machen." Beckmann, der mit Kindern eigentlich wenig anzufangen weiß, mag die Tochter von Lütjens gerne und nennt sie Rikchen. Am 7. März schreibt er: "Äußerst heftig nochmal zum 40.t Mal am Rikchen. Jetzt ist sie gut." Das Gesicht des Mädchens und besonders seine großen Augen hebt der Maler mit mehreren Farbschichten hervor. Das Bild wird schließlich zwei Tage vor Rietjes zweitem Geburtstag im März 1945 fertig und wird Helmuth Lütjens vorgeführt. Parallel zur Arbeit des Malers am Bild fertigt Quappi Beckmann einen Hampelmann für Rietje an, den diese nun als Geburtstagsgeschenk erhält. Zwar ist das Gemälde nicht im Besitz der Familie geblieben, den Hampelmann jedoch hat die heute 80-jährige Tochter, die in Amsterdam lebt, aufbewahrt.
Beckmann stellt Rietje und Nelly Lütjens als Inbegriff der engen Beziehung von Mutter und Kind dar und schafft so eine moderne und zugleich zeitlose Ikone.
Dr. Nina Peter
• Dr. Helmuth Lütjens, Leiter der Amsterdamer Filiale der Kunsthandlung Paul Cassirer, ist der wichtigste Unterstützer Beckmanns während dessen Exils in den Niederlanden
• Seit 1987 in der renommierten Sammlung von Serge Sabarsky, Neue Galerie New York
Der Winter 1944/45 in Amsterdam ist sehr hart, es gibt kaum Nahrungsmittel oder Kohle, man wartet auf die Befreiung von der deutschen Besatzung. Für Max Beckmann stellen in dieser Zeit die Besuche bei dem Kunsthändler Helmuth Lütjens und dessen Familie beruhigende Lichtblicke dar. Sie regen den Maler dazu an, das Thema "Mutter und Kind" aufzugreifen, das ansonsten in seinem Werk sehr rar ist.
In klassischer Manier zeigt er Nelly Lütjens als sitzende Mutter mit ihrer kleinen Tochter Rietje auf dem Schoß. Mit ihrem Arm umfängt sie das Kind, die Hände gefaltet. Diese fürsorgliche Geste wird von Rietje wiederholt, indem sie eine Puppe vor sich hält. Der für das Bild bestimmende Farbakkord von Blau, Weiß und Rot gibt dem Gemälde eine ruhige Ausstrahlung, ist aber auch eine Anspielung auf die Nationalität der Dargestellten, denn Nelly Lütjens ist Niederländerin.
Die Familie Lütjens bewohnt in Amsterdam ein Haus in der Keizersgracht 109, in der sich auch die Räume der Galerie Paul Cassirer befinden, die Helmuth Lütjens leitet. Dorthin hat Beckmann seine Gemälde zur sicheren Aufbewahrung gegeben. Jeden Freitag sucht der Künstler Helmuth Lütjens auf. Oftmals zeichnet er die Familie. Im September 1944 wohnt der Maler mit seiner Frau Quappi sogar eine Woche dort, um beim erhofften Einmarsch der Alliierten vor etwaigen Anfeindungen als Deutsche geschützt zu sein.
Im Anschluss an diesen Aufenthalt malt Beckmann das "Familienbild Lütjens" (MB-G 683): Es zeigt das Ehepaar Lütjens beim Betrachten eines Bildes, wohl eben dieses "Familienbildes". Nur die kleine Tochter schaut in eine andere Richtung. Sie hält in der einen Hand einen Hampelmann hoch und deutet mit der anderen Hand auf diesen. Beckmann weist hier schon auf die Reaktion des Kindes beim Anblick des "Familienbild Lütjens" hin: Rietje zeigt auf den Hampelmann, den es gerne hätte, aber nicht hat.
Kaum wird das "Familienbild Lütjens" an Weihnachten 1944 in Lütjens Haus aufgestellt, beginnt Beckmann auch schon mit Entwürfen für ein weiteres Familienporträt. Die freitäglichen Besuche werden ebenfalls fortgesetzt. Am 19. Januar 1945 vermerkt Beckmann: "(...) will nachher zu Lütjens gehen, mein Morphium in diesen Zeiten."
"Bildnis Rietje und Nelly" ist die Fortführung des "Familienbild Lütjens." Hier setzt der Maler nun das Kind in den Mittelpunkt und gibt ihm eine Puppe in die Hände.
Der intensive Arbeitsprozess an dem Bild lässt sich im Tagebuch verfolgen. Am 15. Februar 1945 notiert Beckmann: "Zum ersten Male gründlich an Nelly mit Kind. Wird mir noch viel Arbeit machen." Beckmann, der mit Kindern eigentlich wenig anzufangen weiß, mag die Tochter von Lütjens gerne und nennt sie Rikchen. Am 7. März schreibt er: "Äußerst heftig nochmal zum 40.t Mal am Rikchen. Jetzt ist sie gut." Das Gesicht des Mädchens und besonders seine großen Augen hebt der Maler mit mehreren Farbschichten hervor. Das Bild wird schließlich zwei Tage vor Rietjes zweitem Geburtstag im März 1945 fertig und wird Helmuth Lütjens vorgeführt. Parallel zur Arbeit des Malers am Bild fertigt Quappi Beckmann einen Hampelmann für Rietje an, den diese nun als Geburtstagsgeschenk erhält. Zwar ist das Gemälde nicht im Besitz der Familie geblieben, den Hampelmann jedoch hat die heute 80-jährige Tochter, die in Amsterdam lebt, aufbewahrt.
Beckmann stellt Rietje und Nelly Lütjens als Inbegriff der engen Beziehung von Mutter und Kind dar und schafft so eine moderne und zugleich zeitlose Ikone.
Dr. Nina Peter