Herbert Bayer
„der selbstauslöser“
Descrizione
• Entstanden am Bauhaus in Dessau
• Thematisierung der technischen Entwicklung der Fotografie
• Aus dem Nachlass des Künstlers Kurt Kranz (1910-1997)
Das Werk „der selbstauslöser" von Herbert Bayer stammt aus dem Jahr 1928, seinem letzten Jahr am Bauhaus Dessau. Zu dieser Zeit entstehen zahlreiche surreal anmutende Zeichnungen, Fotografien und Fotomontagen, die typische Motive wie Bäumen, Wolken, Vögel und Augen zeigen. Am bekanntesten ist seine Fotomontage „lonely metropolitan“ von 1932, die im Dezember 2012 bei einer Sotheby’s Auktion in New York den Rekordpreis von 1.25 Millionen US-Dollar erzielte.
Mit einer surrealistisch-ironischen Note thematisiert Bayer in der großformatigen Zeichnung „der selbstauslöser“ die moderne Technik der Fotografie, die zu seiner Zeit bereits als beliebtes künstlerisches Medium eingesetzt wird und seit der Einführung der Kleinbildkamera Mitte der 1920er Jahre völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Mit reduzierter Farbgebung in Schwarz, Weiß und Grautönen vereinheitlicht Bayer die unterschiedlichen Texturen der verwendeten Materialien Gouache, Tusche und der kleinen aufkaschierten Fotografie zu einer harmonischen Komposition. Auf einen stilisierten menschlichen Körper ist eine Balgenkamera als Kopf montiert, eine feingliedrige Hand greift nach dem Selbstauslöserdraht. Auf einer kleinen Staffelei rechts der Kamerafigurine ist ein Foto eines weiblichen Auges kaschiert, das den Betrachter direkt anzuschauen scheint. Doch die Frage, wer hier eigentlich wen anschaut, beobachtet, porträtiert bleibt offen. Bei dem Fotoauge soll es sich übrigens um das von Ise Gropius handeln, der Frau von Walter Gropius, der bis 1928 Direktor des Bauhauses war. So erinnerte sich (laut mündlicher Überlieferung) Ingrid Kranz, Ehefrau von Kurt Kranz, einem engen Mitarbeiter von Herbert Bayer, aus dessen Nachlass diese Zeichnung stammt.
Herbert Bayer absolviert zunächst eine Lehre in einem Architekturbüro, 1921 geht er zum Studium ans Bauhaus Weimar, wo er wenig später Jungmeister und Leiter der neu eingerichteten Werkstatt für Druck und Reklame wird. 1928 gründet er seine eigene Agentur „studio dorland“ für Typografie und Werbegestaltung in Berlin und wird künstlerischer Berater der Zeitschrift „Vogue“ Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden Bayers Arbeiten 1937 auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert, 1938 emigriert er in die USA. Dort arbeitet er zunächst als Ausstellungsgestalter in New York und nimmt verschiedene Lehraufträge an. Von 1946 bis 1975 ist Bayer unter anderem Gestaltungsberater des Kulturzentrums Aspen/Colorado und erhält private wie öffentliche Werbe- und Architekturaufträge. 1964 wird Bayer zur documenta III in Kassel eingeladen, 1968 gestaltet er in Stuttgart die Ausstellung „50 Jahre Bauhaus“.
Das Werk „der selbstauslöser“ stammt aus dem Nachlass des Künstlers Kurt Kranz (1910-1997), der von 1930-33 am Bauhaus Dessau studiert, u.a. bei Josef Albers, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Anschließend arbeitet er für mehrere Jahre als Grafiker bei Herbert Bayer im „studio dorland“ in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er an der Landeskunstschule in Hamburg tätig und wird 1955 zum Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ernannt. Gastdozenturen führen ihn in den folgenden Jahren in die USA, nach Kanada und Japan.
• Thematisierung der technischen Entwicklung der Fotografie
• Aus dem Nachlass des Künstlers Kurt Kranz (1910-1997)
Das Werk „der selbstauslöser" von Herbert Bayer stammt aus dem Jahr 1928, seinem letzten Jahr am Bauhaus Dessau. Zu dieser Zeit entstehen zahlreiche surreal anmutende Zeichnungen, Fotografien und Fotomontagen, die typische Motive wie Bäumen, Wolken, Vögel und Augen zeigen. Am bekanntesten ist seine Fotomontage „lonely metropolitan“ von 1932, die im Dezember 2012 bei einer Sotheby’s Auktion in New York den Rekordpreis von 1.25 Millionen US-Dollar erzielte.
Mit einer surrealistisch-ironischen Note thematisiert Bayer in der großformatigen Zeichnung „der selbstauslöser“ die moderne Technik der Fotografie, die zu seiner Zeit bereits als beliebtes künstlerisches Medium eingesetzt wird und seit der Einführung der Kleinbildkamera Mitte der 1920er Jahre völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Mit reduzierter Farbgebung in Schwarz, Weiß und Grautönen vereinheitlicht Bayer die unterschiedlichen Texturen der verwendeten Materialien Gouache, Tusche und der kleinen aufkaschierten Fotografie zu einer harmonischen Komposition. Auf einen stilisierten menschlichen Körper ist eine Balgenkamera als Kopf montiert, eine feingliedrige Hand greift nach dem Selbstauslöserdraht. Auf einer kleinen Staffelei rechts der Kamerafigurine ist ein Foto eines weiblichen Auges kaschiert, das den Betrachter direkt anzuschauen scheint. Doch die Frage, wer hier eigentlich wen anschaut, beobachtet, porträtiert bleibt offen. Bei dem Fotoauge soll es sich übrigens um das von Ise Gropius handeln, der Frau von Walter Gropius, der bis 1928 Direktor des Bauhauses war. So erinnerte sich (laut mündlicher Überlieferung) Ingrid Kranz, Ehefrau von Kurt Kranz, einem engen Mitarbeiter von Herbert Bayer, aus dessen Nachlass diese Zeichnung stammt.
Herbert Bayer absolviert zunächst eine Lehre in einem Architekturbüro, 1921 geht er zum Studium ans Bauhaus Weimar, wo er wenig später Jungmeister und Leiter der neu eingerichteten Werkstatt für Druck und Reklame wird. 1928 gründet er seine eigene Agentur „studio dorland“ für Typografie und Werbegestaltung in Berlin und wird künstlerischer Berater der Zeitschrift „Vogue“ Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden Bayers Arbeiten 1937 auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert, 1938 emigriert er in die USA. Dort arbeitet er zunächst als Ausstellungsgestalter in New York und nimmt verschiedene Lehraufträge an. Von 1946 bis 1975 ist Bayer unter anderem Gestaltungsberater des Kulturzentrums Aspen/Colorado und erhält private wie öffentliche Werbe- und Architekturaufträge. 1964 wird Bayer zur documenta III in Kassel eingeladen, 1968 gestaltet er in Stuttgart die Ausstellung „50 Jahre Bauhaus“.
Das Werk „der selbstauslöser“ stammt aus dem Nachlass des Künstlers Kurt Kranz (1910-1997), der von 1930-33 am Bauhaus Dessau studiert, u.a. bei Josef Albers, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Anschließend arbeitet er für mehrere Jahre als Grafiker bei Herbert Bayer im „studio dorland“ in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er an der Landeskunstschule in Hamburg tätig und wird 1955 zum Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ernannt. Gastdozenturen führen ihn in den folgenden Jahren in die USA, nach Kanada und Japan.