Hermann Max Pechstein

Calla-Lilien
Lot ID
Lotto 531
Artista
Hermann Max Pechstein
Provenienza
Herbert Tannenbaum Gallery, New York;
Julius Wyler Collection, New York;
Eva Wyler Collection, New York, by inheritance from the aforementioned;
Daniel B. Grossmann Inc, New York;
Collection Joan B. Kroc, New York, acquired from the aforementioned in 1983;
Christie's, Collection of Joan B. Kroc, New York 3.5.2006, lot 359;
Harry P. Kamen Collection, New York;
Private collection, Switzerland.
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Descrizione
• Im simplen Blumenstillleben zeigt sich die kompositorische Meisterschaft Pechsteins
• Die Arbeit wird 1917 gefertigt, in der Zeit seiner Palau- und Kriegsbilder
• Aus der Sammlung Herbert Tannenbaum, des wichtigen deutsch-amerikanischen Kunsthändlers

Calla sind schön. Damit ist nicht ein individueller floristischer Geschmack gemeint – an der Vorliebe etwa für Gerbera sollen ja schon Ehen gescheitert sein – sondern die Wortherkunft. Diese stammt nämlich vom altgriechischen kalós und bedeutet genau das: schön.

Pechsteins Blumenstillleben von 1917 reduziert das Genre auf das Wesentliche. Sechs Blütenstände und zwei Blätter stehen in einer bauchigen hellen Vase auf einem kleinen runden Tisch, die Blüten selbst neigen sich offenbar willkürlich mal hier, mal dort hin. Den Hintergrund bildet eine rote unbestimmte Farbfläche. In aller Simplizität der Szenerie offenbart sich das Farb- und Kompositionsgeschick Pechsteins. Die Vase steht nicht „einfach so“ im Bildraum, der Maler platziert sie auf ¾ der Bildfläche. Gemeinsam mit den eben durchdacht und keineswegs wild umherstehenden Blumen ergibt sich so ein nahezu idealer goldener Schnitt. Die Blüten in all ihren Neigungswinkeln, korrespondieren dabei zudem mit den Falten und Farbtonalitäten des Hintergrundes, ergeben so perfekt austarierte Spannungsbögen und Verläufe. Im Bild Pechsteins ist also nichts dem Zufall überlassen, im Gegenteil! Pechstein signiert, zeigt vollendet, dass simpel am schwierigsten ist. Was einfach scheint, ist oftmals das Ergebnis höchster Präzision – denken Sie etwa an die perfekte Einfachheit japanischer Schalen.

Pechstein ist 1917 dabei, sich an den Erinnerungen seiner Südseereise abzuarbeiten, seine „Palau-Bilder“. Besonders frisch in seiner Erinnerung sind die Schrecken des Ersten Weltkrieges, in welchem er als Soldat an der Front diente. In seinem Stillleben der Calla-Vase ist von beidem so direkt nichts zu bemerken. Zu sehen sind keine exotisierenden Details, wie etwa bestimmte Textilmuster. Auch der Schatten des Krieges bäumt sich nicht hinter dem Blumenarrangement auf. Und doch, weiß man um die jüngsten Entwicklungen in der Biografie Pechsteins, so kommt man nicht umher zu fragen, welchen Einfluss besonders die Geschehnisse an der Front auf den Künstler hatten: Ist nicht die weiße Blüte, in ihrer natürlichen Schönheit, makellos als Singulär präsentiert, ein Gegenentwurf zum 1917 immer noch tobenden menschengemachten Horror? Ist nicht gerade das Innehalten und sich in der Ästhetik des Einfachen verlieren Ausdruck (bewussten) Ausblendens?

Übrigens wäre der korrekte deutsche Name für die Blumen Zantedeschien. Aber das ist nun wirklich nicht verkaufsfördernd.

Laut Werkverzeichnis war das Gemälde vor der Doublierung verso auf der Leinwand signiert, datiert und betitelt „Calla Lilien 1917 HMPechstein“.

Soika 1917/24.