Gustav Klimt

Stehendes Liebespaar
Lot ID
Lotto 511
Artista
Gustav Klimt
Letteratura
Novotny, Fritz and Dobai, Johannes, Gustav Klimt, Salzburg 1967, p. 373.

Exhibition (selection):
Gustav Klimt. Drawings, Secession, Vienna, 1956, cat. no. 40;
Gustav Klimt 1862-1918. drawings, Graphische Sammlung Albertina, Vienna, 1962, cat. no. 239;
Egon Schiele and His Circle, Galerie La Boetie, New York, 1971, cat. no. 5;
Gustav Klimt. Drawings, Galerie Würthle, Vienna, 1978, cat. no. 57;
Gustav Klimt. Drawings, Serge Sabarsky Gallery, New York, 1979, ill. on invitation card;
Gustav Klimt, Isetan Museum of Art, Tokyo, 1981, cat. no. 92;
Gustav Klimt. 100 Drawings, Pinacoteca Capitolina, Rome, et al., 1983-1987, various cat. nos;
Gustav Klimt. Zeichnungen aus amerikanischem Privatbesitz ausgewählt von Serge Sabarsky und aus Beständen des Historischen Museums der Stadt Wien, Historisches Museum der Stadt Wien, a.o., 1984/85, cat. no. 85;
Europalia 87 Austria. Gustav Klimt, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brussels, 1987, cat. no. 112;
Gustav Klimt, Palazzo Strozzi, Florence, 1991/92;
Gustav Klimt. Dessins, Musée-Galerie de la Seita, Paris, 1994, cat. no. 90;
Hommage à Serge Sabarsky. Klimt - Kokoschka - Schiele. Watercolors and Drawings, Jahrhunderthalle Hoechst, Frankfurt, 1997, cat. no. 31.
Provenienza
Estate of the artist, lower right with the (faded) stamp (Lugt 1575);
Gallery Wolfgang Gurlitt, Munich;
Würthle Gallery, Vienna;
Serge Sabarsky Collection/Asset, New York, acquired from the aforementioned in 1979;
Collection/Foundation Vally Sabarsky, New York.
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Descrizione
• Alterswerk des weltberühmten Gustav Klimt
• Skizze für Klimts einziges christliches Motiv, eine Adam-und-Eva-Darstellung
• Die Skizze zeigt Eva schwanger, eine extrem seltene Darstellungsform des Paares nach dem Sündenfall

Dass bei KARL & FABER Darstellungen von Adam und Eva angeboten werden, ist keine Seltenheit. Alleine in dieser Saison bietet die Abteilung für Druckgrafik Interpretationen des Paares von Albrecht Dürer und Rembrandt Harmensz. van Rijn an. Beide bebildern den Moment des Sündenfalls. Der Stoff aus dem Ersten Buch Mose fasziniert seit jeher: Der Schlange, eine Personifikation des Teufels, gelingt es, Eva, die zweite Frau Adams, dazu zu überreden, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis zu pflücken, zu essen, Adam einen Teil zu geben – und so schließlich die Menschheit zu Sterblichkeit, Elend und Sündhaftigkeit zu verdammen. Die Geschichte wurde im Laufe der Zeit als Grundlage für Misogynie genutzt, die Frau zur boshaften Verführerin oder zum willfährigen Werkzeug des Teufels degradiert.

Gustav Klimt (der sonst nie biblischen Stoff verarbeitet) nähert sich dem Thema anders. In einem schlussendlich nicht vollendeten Gemälde zeigt er 1917/18 das Paar im Moment der Erschaffung Evas. Im Hintergrund ist Adam schlafend zu sehen, Eva muss seiner Rippe einen Augenblick zuvor entsprungen sein. Wenngleich sich Anleihen an die Kunstgeschichte, etwa an Hans Baldung Griens Sündenfall-Version, erkennen lassen, so zeigt Klimt hier doch eben etwas äußerst Ungewöhnliches: Nicht den Sündenfall, keine Legitimation für die Unterdrückung der Frau. Im Gegenteil, er verdeutlicht die innige Beziehung der beiden Figuren! Er versteht Eva und Adam als zwei Teile eines Ganzen. Adam, der durch die Erschaffung Evas erst vom Menschen (Adam = Mensch) zum Mann wird, braucht immer sein Pendant, seine Eva, um wieder vollständig zu sein. Klimt, der für seine Zeit fortschrittlich über die Beziehung von Männern und Frauen denkt, nutzt das Thema so zur Illustration der unbedingten Zusammengehörigkeit von Eva und ihrem Adam.

Wie für Klimt typisch gehen dem Gemälde zahlreiche Skizzen voraus. Mal zeigt er Eva in Ekstase, mal arbeitet er sich am Idealkörper Adams ab. Er testet verschiedene Positionierungen der Zwei zueinander; abgewandt, zugewandt, im Profil, en Face ... Unsere Version hat nichts mehr mit der finalen Gemäldeversion zu tun, zeigt aber umso faszinierender einen Aspekt, den Klimt offenbar schnell wieder verwirft: Eva ist schwanger! Offenbar spielt Klimt mit dem Gedanken, einen ganz anderen und noch selteneren Teil der Geschichte zu verbildlichen. In dieser Version wäre das Paar aus dem Paradies vertrieben, sie sind sterblich, mit Schweiß und Mühe bestellen sie die Felder. Und schließlich wird Eva unter dem Fluch der schmerzhaften Geburt ihren ersten Sohn Kain in die Welt setzen.

Strobl 2864.