Max Liebermann

Schlittschuhläufer im Tiergarten
Lot ID
Lotto 510
Artista
Max Liebermann
Letteratura
Richardson, Holly Prentiss, Landscape in the work of Max Liebermann, vol. II, Diss. Brown University, Ann Arbor 1991, p. 243, no. 693.
Provenienza
Marianne Küpper, Wiesbaden (until 1928);
Private collection (possibly Bier collection) 1928-1974;
Christie's, London 5.7.1974, lot 246;
Kunstsalon Franke, Baden-Baden (1990);
Private collection, Southern Germany.
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Descrizione
• Meisterhafte Verbindung von Licht, Bewegung und Stimmung
• Liebermanns Eislaufszenen im Tiergarten zählen zu den begehrtesten Motiven seines Spätwerks
• Typisches Werk des deutschen Impressionismus

Mit sicherem Pinsel und feinem Gespür für Licht und Bewegung entwirft Max Liebermann in diesem Gemälde eine Szene flüchtiger Lebensfreude: eine belebte Winterlandschaft im Berliner Tiergarten, in der Schlittschuhläufer über das Eis eines Sees gleiten, Kinder mit ihren Schlitten im Schnee spielen und Spaziergänger sich begegnen. Hohe, dunkle Bäume säumen den Rand des Weihers. Die Grenze zwischen Gewässer und Land ist im Hintergrund kaum auszumachen. Das Gemälde vereint all jene Themen, die das Alterswerk Liebermanns prägen – die Natur, die Beobachtung des alltäglichen bürgerlichen Lebens und die Reduktion der Form zugunsten einer vibrierenden Licht- und Farbstimmung.

Das Motiv des Eislaufens im Tiergarten, das Liebermann zwischen 1919 und 1924 mehrfach aufgreift, gehört zu den eindrucksvollsten Darstellungen urbaner Landschaft in seinem Spätwerk. Hier zeigt sich der Maler, der selbst ein sehr guter Schlittschuhläufer gewesen sein soll, nicht mehr als nüchterner Chronist, sondern als Meister des Atmosphärischen. Der breite, pastose Pinselduktus, das helle, gebrochene Licht und die fast impressionistisch aufgelöste Struktur der Figuren lassen den Eindruck von Bewegung und Kälte, von Dunst und winterlicher Sonne unmittelbar entstehen. Während die Details im Hintergrund verschwimmen, verdichtet sich die Szene zu einem sinnlich erfahrbaren Moment – eine Kunst, die Liebermann in seinen letzten Schaffensjahren zur Vollendung bringt.

Der Tiergarten, unweit Liebermanns Berliner Stadtpalais am Pariser Platz gelegen, ist für diesen ein Ort steter Inspiration und Hauptmotiv seines Spätwerks. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der dieses Bild entsteht, kehrt er in den Wintermonaten immer wieder hierher zurück. Der Tiergarten bietet dem Maler, der nun aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr reist, zu jeder Jahreszeit genug Motive. Dank seines unerschöpflichen Repertoires an Staffagefiguren, die er immer wieder neu und frei variiert, gleicht kein Werk dem anderen. Die vertraute, friedliche Welt der städtischen Parklandschaft setzt dem politischen und gesellschaftlichen Umbruch der 1920er Jahre eine leise, humane Gegenwelt entgegen. In der Unbeschwertheit der Schlittschuhläufer spiegelt sich jene heitere Gelassenheit, die Liebermann in seinen späten Landschaften sucht und findet.

Eberle 1922/41.