George Grosz
Sonntag früh
Beschreibung
• Großformatige Vorzeichnung für das gleichnamige Blatt aus der wichtigen Sammelmappe "Ecce homo"
• Die freizügige Darstellung wird mit anderen Blättern aus der Mappe zum Skandal
• Das Blatt zeigt Grosz als großartigen, kritischen Beobachter der Dekadenz in der Weimarer Republik
Diese großformatige Zeichnung dient als Vorlage für Blatt 78 der Sammelmappe "Ecce Homo", die 1922/23 im Malik-Verlag, Berlin erscheint. In dieser Mappe skizziert und karikiert Grosz die politisch-gesellschaftlichen Zustände der Weimarer Republik: die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze. Dabei verspottet er die herrschenden Kreise der Weimarer Republik, greift soziale Gegensätze auf und kritisiert insbesondere Wirtschaft, Politik, Militär und Klerus. Der kahlköpfige Mann mit Schnauzbart ist eine für Grosz typische Karikatur eines lüsternen Industriellen: Zigarre in der Hand, mit offener Hose, das steife Vorhemd abgeknöpft, steht er im Raum, die Füße stecken in Pantoffeln. Vor ihm sitzt eine nackte Frau, den Arm lasziv zum Kopf gehoben. Der Unterschied zwischen nackt und angezogen, sitzend und stehend, verstärkt das Gefühl des Ungleichgewichts zwischen den beiden Protagonisten. Der Titel "Sonntag früh" lässt Raum für Interpretationen: Verbringt der Mann seinen Morgen bei einer Prostituierten, statt in der Kirche? Oder ist er doch zu Hause, da in Pantoffeln, und genießt seinen finanziellen und sexuellen Erfolg? Frönt das Ehepaar den Todsünden und der Wolllust: Ausgedrückt in der lasziven Haltung der Frau, und Unmäßigkeit, die sich in Zigarre und dickem Bauch spiegeln?
Bereits wenige Monate nach der Veröffentlichung, im Dezember 1923, erhebt die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin Anklage gegen Grosz und seine Verleger Gumperz und Herzfelde wegen Verbreitung "unzüchtiger Abbildungen oder Darstellungen". Auch im Blatt 78 wird "die Art ihrer Darstellung, insbesondere die Hervorhebung der Geschlechtsteile" bemängelt, laut Anklageschrift "geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl eines normal empfindenden Menschen in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen." Grosz erklärt im Prozess, dass es sein leidenschaftliches Bestreben sei, die Schwächen und Laster der Zeit und der Gesellschaft aufzuzeigen, und dass er glaubt, sich diesem Ziel nur nähern zu können, wenn er die Wahrheit rücksichtslos enthüllt. Künstlerpersönlichkeiten der Zeit, darunter Max Liebermann, bürgen für den moralischen Anstand von Grosz. Doch das Gericht zeigt sich unnachgiebig: Verleger und Künstler werden jeweils zu einer Geldstrafe von 500 Goldmark verurteilt, die Mappe wird beschlagnahmt.
• Die freizügige Darstellung wird mit anderen Blättern aus der Mappe zum Skandal
• Das Blatt zeigt Grosz als großartigen, kritischen Beobachter der Dekadenz in der Weimarer Republik
Diese großformatige Zeichnung dient als Vorlage für Blatt 78 der Sammelmappe "Ecce Homo", die 1922/23 im Malik-Verlag, Berlin erscheint. In dieser Mappe skizziert und karikiert Grosz die politisch-gesellschaftlichen Zustände der Weimarer Republik: die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze. Dabei verspottet er die herrschenden Kreise der Weimarer Republik, greift soziale Gegensätze auf und kritisiert insbesondere Wirtschaft, Politik, Militär und Klerus. Der kahlköpfige Mann mit Schnauzbart ist eine für Grosz typische Karikatur eines lüsternen Industriellen: Zigarre in der Hand, mit offener Hose, das steife Vorhemd abgeknöpft, steht er im Raum, die Füße stecken in Pantoffeln. Vor ihm sitzt eine nackte Frau, den Arm lasziv zum Kopf gehoben. Der Unterschied zwischen nackt und angezogen, sitzend und stehend, verstärkt das Gefühl des Ungleichgewichts zwischen den beiden Protagonisten. Der Titel "Sonntag früh" lässt Raum für Interpretationen: Verbringt der Mann seinen Morgen bei einer Prostituierten, statt in der Kirche? Oder ist er doch zu Hause, da in Pantoffeln, und genießt seinen finanziellen und sexuellen Erfolg? Frönt das Ehepaar den Todsünden und der Wolllust: Ausgedrückt in der lasziven Haltung der Frau, und Unmäßigkeit, die sich in Zigarre und dickem Bauch spiegeln?
Bereits wenige Monate nach der Veröffentlichung, im Dezember 1923, erhebt die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin Anklage gegen Grosz und seine Verleger Gumperz und Herzfelde wegen Verbreitung "unzüchtiger Abbildungen oder Darstellungen". Auch im Blatt 78 wird "die Art ihrer Darstellung, insbesondere die Hervorhebung der Geschlechtsteile" bemängelt, laut Anklageschrift "geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl eines normal empfindenden Menschen in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen." Grosz erklärt im Prozess, dass es sein leidenschaftliches Bestreben sei, die Schwächen und Laster der Zeit und der Gesellschaft aufzuzeigen, und dass er glaubt, sich diesem Ziel nur nähern zu können, wenn er die Wahrheit rücksichtslos enthüllt. Künstlerpersönlichkeiten der Zeit, darunter Max Liebermann, bürgen für den moralischen Anstand von Grosz. Doch das Gericht zeigt sich unnachgiebig: Verleger und Künstler werden jeweils zu einer Geldstrafe von 500 Goldmark verurteilt, die Mappe wird beschlagnahmt.