Egon Schiele
Der Sessel des Dr. Hugo Koller
Beschreibung
• Skizze zum Porträt Dr. Kollers, welches Teil der Sammlung des Wiener Belvedere ist
• Der Sessel wird zum Ausdrucksträger jenseits der Staffage
• Koller war Mediziner, Geisteswissenschaftler und Industrieller – seine Leidenschaft galt der Kunst
Der Österreicher mag sich wundern: Sessel? Wo? Schiele skizziert hier doch ein Fauteuil? Während der Künstler selbst diesem Begriff sicher zugestimmt haben dürfte, löst er in Deutschland Unverständnis aus. Ein Sessel, das ist für die Österreicher, was dem Deutschen sein Stuhl.
Egal wie man es nun nennen mag, setzen wir uns und wundern uns länderübergreifend: Wieso zeigt Schiele uns ein schnödes, wenngleich sicher urbequemes Sitzmöbel?
Die hier angebotene Skizze von Egon Schiele dient dem Arbeitsprozess zur Vorbereitung des Gemäldes des Dr. Dr. Hugo Koller, welches sich heute in der Sammlung des Belvedere in Wien (Inv.-Nr. 4296) befindet. Koller ist doppelt promovierter Mediziner und Geisteswissenschaftler. Nachdem er zunächst wissenschaftlich tätig ist, steigt er ab 1897 in die Geschäfte des Schwiegervaters ein und wird im Laufe der Zeit zum Industriellen. Er verehrt die Musik Anton Bruckners, ist mit Künstlern der Secession und der Wiener Werkstätte befreundet. Später hilft und protegiert er zahlreiche Künstler. Gemeinsam mit seiner Partnerin, der Künstlerin Broncia Pineles, lebt er dabei den Kindern die Liebe zur Kunst vor, sodass auch die Tochter Silvia Koller später Malerin wird und der Sohn die Bildhauerin Anna Mahler heiratet.
1913 leitet Dr. Hugo Koller die Fabrik seines in der Zwischenzeit verstorbenen Schwiegervaters. Die Familie lebt nahe Wien auf Gut Oberwaltersdorf und empfängt dort junge Künstler. Zu diesen gehört auch 1918 der junge Egon Schiele. Er arrangiert den Auftraggeber im Ölgemälde in dessen Bibliothek und schafft so nicht nur eine gefällige Kulisse, sondern ein Charakterporträt. Inmitten einer nicht aufgeräumten Bibliothek, einer wild gestapelten Sammlung unzähliger Bücher! Sie türmen sich, sind aufgeschlagen heruntergefallen, quetschen sich in Ecken und selbst der Porträtierte hatte keine Zeit, das geöffnete Buch für das Porträt vom Schoß zurück ins Regal zu legen. Koller ist Bibliophiler par excellence, mehrere Tausend Bücher zählt seine Sammlung.
Der Sessel nun: Ist er ein bloßer Sessel? Ein Sitzmöbel, weil es eben eines solchen bedarf? Ein Stück Staffage? Mitnichten! So wie die Bücher besondere Beachtung im Werk finden, so ist auch der Sessel von Interesse für den akribisch arbeitenden Schiele. Nicht ohne Grund widmet er dem Möbel eigene Skizzen, kitzelt seinen Charakter hervor – und betont so abermals die intellektuelle Seite des Auftraggebers, versunken in seiner Sammlung, seinen Gedanken und Innovationen.
• Der Sessel wird zum Ausdrucksträger jenseits der Staffage
• Koller war Mediziner, Geisteswissenschaftler und Industrieller – seine Leidenschaft galt der Kunst
Der Österreicher mag sich wundern: Sessel? Wo? Schiele skizziert hier doch ein Fauteuil? Während der Künstler selbst diesem Begriff sicher zugestimmt haben dürfte, löst er in Deutschland Unverständnis aus. Ein Sessel, das ist für die Österreicher, was dem Deutschen sein Stuhl.
Egal wie man es nun nennen mag, setzen wir uns und wundern uns länderübergreifend: Wieso zeigt Schiele uns ein schnödes, wenngleich sicher urbequemes Sitzmöbel?
Die hier angebotene Skizze von Egon Schiele dient dem Arbeitsprozess zur Vorbereitung des Gemäldes des Dr. Dr. Hugo Koller, welches sich heute in der Sammlung des Belvedere in Wien (Inv.-Nr. 4296) befindet. Koller ist doppelt promovierter Mediziner und Geisteswissenschaftler. Nachdem er zunächst wissenschaftlich tätig ist, steigt er ab 1897 in die Geschäfte des Schwiegervaters ein und wird im Laufe der Zeit zum Industriellen. Er verehrt die Musik Anton Bruckners, ist mit Künstlern der Secession und der Wiener Werkstätte befreundet. Später hilft und protegiert er zahlreiche Künstler. Gemeinsam mit seiner Partnerin, der Künstlerin Broncia Pineles, lebt er dabei den Kindern die Liebe zur Kunst vor, sodass auch die Tochter Silvia Koller später Malerin wird und der Sohn die Bildhauerin Anna Mahler heiratet.
1913 leitet Dr. Hugo Koller die Fabrik seines in der Zwischenzeit verstorbenen Schwiegervaters. Die Familie lebt nahe Wien auf Gut Oberwaltersdorf und empfängt dort junge Künstler. Zu diesen gehört auch 1918 der junge Egon Schiele. Er arrangiert den Auftraggeber im Ölgemälde in dessen Bibliothek und schafft so nicht nur eine gefällige Kulisse, sondern ein Charakterporträt. Inmitten einer nicht aufgeräumten Bibliothek, einer wild gestapelten Sammlung unzähliger Bücher! Sie türmen sich, sind aufgeschlagen heruntergefallen, quetschen sich in Ecken und selbst der Porträtierte hatte keine Zeit, das geöffnete Buch für das Porträt vom Schoß zurück ins Regal zu legen. Koller ist Bibliophiler par excellence, mehrere Tausend Bücher zählt seine Sammlung.
Der Sessel nun: Ist er ein bloßer Sessel? Ein Sitzmöbel, weil es eben eines solchen bedarf? Ein Stück Staffage? Mitnichten! So wie die Bücher besondere Beachtung im Werk finden, so ist auch der Sessel von Interesse für den akribisch arbeitenden Schiele. Nicht ohne Grund widmet er dem Möbel eigene Skizzen, kitzelt seinen Charakter hervor – und betont so abermals die intellektuelle Seite des Auftraggebers, versunken in seiner Sammlung, seinen Gedanken und Innovationen.