Arnold Topp
Nächtliche Stadtlandschaft mit Kirche und Friedhof
Beschreibung
• Ausdrucksstarkes nächtliches Motiv von Arnold Topp
• Charakteristischer Bildaufbau mit kubistisch prägnanten Bilddiagonalen und harmonisch gedämpftem Farbspektrum
• Bei der dargestellten Kirche handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Petrikapelle auf der Brandenburger Dominsel
Das Bild wird von einer vergleichsweise friedlichen Stimmung getragen. Es ist Mitternacht und ein klarer Himmel lässt den bleichen Vollmond und die Sterne leuchtkräftig scheinen. Im linken Teil der Darstellung befindet sich eine Kirche, deren stolz erhobenes Kreuz sich des Mondes als einer Gloriole bedient. Zu ihr gehört ein alter Kirchhof, durch ein schiefstehendes Grabkreuz gekennzeichnet. Daneben stehen dicht aneinander gedrängt drei Häuser, deren erleuchtete Fenster neugierig hinunterschauen. Und in diesem Augenblick werden wir gewahr, dass ja auch die Sterne nichts anderes sind als Himmelaugen, die gebannt auf den durch den Mond in das gleiche bleiche Licht getauchten Kreis im Hof starren. Denn dort unten geschieht etwas. Aus dem Widerschein des Mondes scheint sich als sein Geschöpf eine bleiche Gestalt zu materialisieren. Einer Palisadenwand gleich schützt ein Zaun die Kirche vor diesem unheimlichen Treiben.
Arnold Topp, bei dem das narrative Element häufig stark ausgeprägt ist, erzählt auch hier eine Geschichte, wodurch der Beschauer immer wieder in den Bann der Darstellung gezogen wird und jedes Mal aufs Neue bisher nicht beachtete Details entdeckt. Es ist eine faszinierende kubistische Darstellung, in der die später so sehr dominierenden stürzenden prismatischen Formen lediglich am Rande vorkommen. Das Bild ist klar strukturiert, wobei den Ästen der Bäume eine strukturbildende Funktion zukommt. Nicht verschwiegen werden soll, dass der Künstler die Nacht liebte. Oft war er zu dieser Zeit unterwegs, erlebte manches Abenteuer und hat in mehreren Werken die Nacht gestaltet.
Die in der Darstellung liegende gespannte Ruhe, die sich in Grenzen haltenden stürzenden Elemente, das aufrecht stehende Kreuz der Kirche deuten auf eine Entstehung des Bildes im Jahre 1917, nachdem Topp die auch in seinem Werk sichtbaren traumatischen Folgen des Krieges und seiner Verwundung überwunden hatte und bevor die deutsche Kapitulation, die Abdankung des Kaisers und die Revolution einschließlich der sich daran anschließenden Kämpfe ihn erneut mit Hoffnungen, Ängsten und Anteilnahme erfüllten und auch sein Werk veränderten.
Dr. Rainer Enders
• Charakteristischer Bildaufbau mit kubistisch prägnanten Bilddiagonalen und harmonisch gedämpftem Farbspektrum
• Bei der dargestellten Kirche handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Petrikapelle auf der Brandenburger Dominsel
Das Bild wird von einer vergleichsweise friedlichen Stimmung getragen. Es ist Mitternacht und ein klarer Himmel lässt den bleichen Vollmond und die Sterne leuchtkräftig scheinen. Im linken Teil der Darstellung befindet sich eine Kirche, deren stolz erhobenes Kreuz sich des Mondes als einer Gloriole bedient. Zu ihr gehört ein alter Kirchhof, durch ein schiefstehendes Grabkreuz gekennzeichnet. Daneben stehen dicht aneinander gedrängt drei Häuser, deren erleuchtete Fenster neugierig hinunterschauen. Und in diesem Augenblick werden wir gewahr, dass ja auch die Sterne nichts anderes sind als Himmelaugen, die gebannt auf den durch den Mond in das gleiche bleiche Licht getauchten Kreis im Hof starren. Denn dort unten geschieht etwas. Aus dem Widerschein des Mondes scheint sich als sein Geschöpf eine bleiche Gestalt zu materialisieren. Einer Palisadenwand gleich schützt ein Zaun die Kirche vor diesem unheimlichen Treiben.
Arnold Topp, bei dem das narrative Element häufig stark ausgeprägt ist, erzählt auch hier eine Geschichte, wodurch der Beschauer immer wieder in den Bann der Darstellung gezogen wird und jedes Mal aufs Neue bisher nicht beachtete Details entdeckt. Es ist eine faszinierende kubistische Darstellung, in der die später so sehr dominierenden stürzenden prismatischen Formen lediglich am Rande vorkommen. Das Bild ist klar strukturiert, wobei den Ästen der Bäume eine strukturbildende Funktion zukommt. Nicht verschwiegen werden soll, dass der Künstler die Nacht liebte. Oft war er zu dieser Zeit unterwegs, erlebte manches Abenteuer und hat in mehreren Werken die Nacht gestaltet.
Die in der Darstellung liegende gespannte Ruhe, die sich in Grenzen haltenden stürzenden Elemente, das aufrecht stehende Kreuz der Kirche deuten auf eine Entstehung des Bildes im Jahre 1917, nachdem Topp die auch in seinem Werk sichtbaren traumatischen Folgen des Krieges und seiner Verwundung überwunden hatte und bevor die deutsche Kapitulation, die Abdankung des Kaisers und die Revolution einschließlich der sich daran anschließenden Kämpfe ihn erneut mit Hoffnungen, Ängsten und Anteilnahme erfüllten und auch sein Werk veränderten.
Dr. Rainer Enders