Hans Thoma

Strand bei New Brighton
Lot ID
Los 120
Live auction
Künstler
Hans Thoma
1839 Bernau - Karlsruhe 1924
Weitere Informationen
Thode S. 165
Ausstellung
A Loan Collection of Works by Hans Thoma, Ausst.-Kat. Liverpool Art Club, Liverpool 1884, Nr. 40 (?);
J. P. Schneiders Kunstsalon, Frankfurt am Main (1899); Thoma. Jubiläums-Ausstellung zu Ehren des siebzigsten Geburtstages des Meisters, Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein Karlsruhe, Karlsruhe 1909, S. 8, Nr. 46; Thoma-Ausstellung. Gemälde von Hans Thoma aus deutschem Privatbesitz, ausgestellt 1922 in der National-Galerie. Betrachtungen und Verzeichnis, Berlin 1922, S. 120-121, Nr. 107;
Hans Thoma. Gedächstnisausstellung, Ausst.-Kat. Kunstverein/Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main 1925, Nr. 58;
Hans Thoma und seine Malerfreunde, Ausst.-Kat. Kunsthandlung J. P. Schneider jr., Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, 1983, Nr. 9, Farbabb.;
Wilhelm Leibl und sein Malerkreis, Ausst.-Kat. Städtische Galerie Rosenheim, hrsg. von Stadt Rosenheim, Kulturamt, Rosenheim 1985, Nr. 150, Abb.;
Hans Thoma – Lebensbilder. Gemäldeausstellung zum 150. Geburtstag, Ausst.-Kat. Augustinermuseum Freiburg im Breisgau, Königstein im Taunus 1989, S. 228-229, Nr. 67, Farbabb.;
Jeannette Falke: Otto Scholderer und seine Frankfurter Künstlerkollegen, in: Otto Scholderer 1834-1902. Die neue Wirklichkeit des Malerischen, Ausst.-Kat. Museum Giersch, Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2002, S. 17, Abb.
Literatur
Anonym: Die Thoma-Ausstellung in Frankfurt, in: Die Kunst für alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur 15, 1899/1900, S. 118;
Henry Thode: Hans-Thoma-Gemälde, 2 Bde. mit insgesamt 150 Lichtdrucktafeln, Frankfurt am Main 1900, Tafel 72; Hans Thoma: Im Winter des Lebens, Jena 1919, S. 76; Hans Thoma. Hundert Gemälde aus deutschem Privatbesitz, hrsg. von Ludwig Justi, Berlin 1922, Tafel 61; Josef August Beringer: Hans Thoma - Ein Lebensbild aus Briefen und Tagebüchern. Mit 20 Bildern, Leipzig 1929, S. 184;
Briefwechsel Hans Thoma und Georg Gerland. Ein Beitrag zur oberrheinischen Kultur am Ende des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Josef August Beringer im Auftrag der Badischen Historischen Kommission, Karlsruhe 1938, S. 52-53;
Hermann Eris Busse: Hans Thoma – Leben und Werk, Berlin 1935, Abb. S. 79;
Gottfried Pütz/Robert Rosenfelder: Hans Thoma. Stationen eines Künstlerlebens, Petersberg 2014, S. 144-145, Nr. 68, Farbabb.
Provenienz
Charles Minoprio (1838-1895), Liverpool (?);
Kunsthandlung J. P. Schneider jr., Frankfurt am Main;
Johann Hector Roessler (1842-1915), Frankfurt am Main (1909);
Johann Friedrich Roessler (1870-1937), Frankfurt am Main;
Schenkung an das Städelsche Kunstinstitut, 19. Mai 1938, Inv.-Nr. 1934 (laut Ausst.-Kat. 1983 Hans Thoma und seine Malerfreunde);
Kunsthandlung Prestel-Voigtländer, Frankfurt am Main (1950 bei Vorgenannter erworben);
Privatbesitz;
Kunsthandlung J.P. Schneider, Frankfurt am Main;
Privatbesitz, Hessen.
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Beschreibung
Hans Thoma war Ende 1876 von München nach Frankfurt übergesiedelt, wo mit Otto Eiser und Alexander Gerlach seine wichtigsten Sammler lebten – trotzdem blieb die wirtschaftliche Situation für ihn angespannt: "Ich selbst verkaufe in Frankfurt so gut wie nichts und wüßte nicht zu existieren, wenn ich nicht in England ein paar Freunde gefunden hätte, die viel Bilder für wenig Geld gerne abnehmen", bekannte er zu Beginn des Jahres 1881. Einer dieser englischen Freunde war Charles Minoprio (1838-1895), ein gebürtiger Frankfurter, der in Liverpool im Baumwollgeschäft vermögend geworden war. Thomas alter Freund Otto Scholderer, der seit 1871 in London lebte, hatte den Kontakt hergestellt, aus dem ein freundschaftliches Verhältnis erwuchs. 1879 hatte Minoprio eine Landschaft im Frankfurter Kunstverein gekauft und Thoma nach Liverpool eingeladen, wo der Maler ihn im August besuchte. Von dort machte Thoma mehrere Ausflüge nach dem an der Mündung des Merseyrivers gelegenen New Brighton mit seinem Strand: "nach New Brighton, zu Fuß am Strand hin nach Haylake, bei starkem Wind und heranrollender Flut", notierte Thoma am 25. August in sein Tagebuch. Dort zeichnete er und fertigte mehrere kleinformatige Studien an (Thode 1909, S. 130, 131 und 134), doch unser Gemälde entstand erst zwei Jahre später im Frankfurter Atelier.
Es ist ein stilles Bild voller Tiefe, in dem Himmel und Wasser gleichberechtigt sind – die Wellen rollen schräg zum unteren Bildrand an und brechen sich in kleinen Wogen mit weißen, sich kräuselnden Schaumkronen auf dem silbrig glänzenden Strand, während sich das ruhige Meer zum Horizont immer grüner färbt. Dort scheinen zwei große Segler dahinzuschweben, der fernere mit leuchtend weißer Takelage. Über ihnen türmen sich schmutzig weiße Wolken auf, aus denen nur vereinzelt der blaue Himmel hervorblitzt. Einfach und klar im Aufbau, fängt Thoma sensibel in gedämpften Farben das sanfte Wellenspiel des nordischen Meeres ein – in der harmonischen, silbrig-dunstigen Auffassung steht Thoma ganz im Gegensatz etwa zu Gustave Courbets gleichzeitigen Meereslandschaften, in denen er die ungeheure Wucht des Meeres vor Augen führt.
Thomas Gemälde machte trotzdem Eindruck – als es 1899 in J. P. Schneiders Kunstsalon in einer Ausstellung präsentiert wurde, lobte ein Rezensent, dass Thoma mit fast jedem Gemälde etwas Neues präsentiere: "Wer hat schon mal eine Marine von Thoma gesehen? Viele gewiss nicht. Hier war eine ausgestellt, ein Motiv von der englischen Küste, und zwar ein ausgezeichnetes Bild, so lebendig beobachtet und mit solcher Sicherheit vorgetragen, als hätte dieser Künstler überhaupt nie etwas anderes gemacht."
Zu diesem Zeitpunkt war das Gemälde wieder nach Frankfurt zurückgekehrt, nachdem es vorher wohl im Besitz von Charles Minoprio war. Dieser hatte 1884 im Liverpooler Art Club die erste Thoma-Ausstellung in England mit Werken aus seinem Besitz und dem seines Schwagers veranstaltet. Die in der kleinen Ausstellungsbroschüre dort aufgeführte Nr. 40 – Beach at New Brighton – dürfte mit unserem Gemälde identisch sein, das nach Minoprios Tod 1895 wie die meisten Thoma-Gemälde aus dessen Besitz über die Kunsthandlung J. P. Schneider nach Frankfurt zurückgekommen ist.

Dr. Peter Prange