Franz Ludwig Catel

Die glückliche Heimkehr des Fischers
Lot ID
Los 55
Live auction
Künstler
Franz Ludwig Catel
1778 Berlin - Rom 1856
Literatur
Andreas Stolzenburg: Der Landschafts- und Genremaler Franz Ludwig Catel (1778-1856), Ausst.-Kat. Casa di Goethe, Rom, hrsg. von Ulrike Bongaerts, Rom 2007, S. 70, Abb. 39.
Provenienz
Galerie im Bayerischen Hof, München;
Privatbesitz, Süddeutschland (in den 1970er Jahren bei Vorgenannter erworben).
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Beschreibung
Es ist eine Szene voller Glück und Freude – zwei Fischersfrauen erwarten am Meeresufer die Rückkehr ihrer erfolgreichen Männer in ihrem Boot, von dem aus sie in der Ferne ihren Fang bereits stolz präsentieren. Die Frauen haben ihre Arbeit unterbrochen und hocken auf einem am Ufer liegenden Boot, um zusammen mit den Kindern ihre Männer zu begrüßen. Ihre Arbeit, die Wäsche im Korb, haben sie am Ufer liegengelassen, neben Netzen, Tauen und anderen Fischerutensilien. Die beiden älteren Jungen können es kaum erwarten, sind ins kaum bewegte Wasser gelaufen, der Jüngere winkt ihnen fröhlich zu, während der Ältere sie mit dem Muschelhorn lautstark begrüßt. Auch der Jüngste auf dem Schoß der Mutter ist ganz aufgeregt und streckt ihnen erwartungsvoll seine Ärmchen entgegen. Der Abend wird fröhlich enden, und gleich werden die wiedervereinigten Familien zusammen die steinerne Treppe zu ihrer Behausung emporsteigen, um dort ihre glückliche Heimkehr zu feiern.
Es ist eine idyllische Szene, die der gebürtige Berliner Franz Ludwig Catel in eine südliche Küstenlandschaft eingebettet hat. Vorbei an der Behausung mit der berankten Pergola – ein typisches Versatzstück für den Süden – fällt der Blick auf den schroffen Felsen des am Golf von Neapel gelegenen Capo Miseno mit den vorgelagerten Inseln Procida und Ischia, die schemenhaft in der Ferne im milden Abendlicht auftauchen. Das Licht streicht sanft über das ruhige Meer und vergeht sich bis zum Horizont in einem stillen, dunstigen Sfumato – dort, wo Himmel und Meer eins werden. Der Meeresausblick bildet das kompositionelle Gegengewicht zum verschatteten Küstenstreifen, aus dem die Figuren in einem Farbklang von Weiß, Hellbraun, Rot und Blau hervortreten.
Es sind solche stimmungsvollen Bilder, mit denen Catel auch beim heutigen Betrachter noch die Sehnsucht nach dem Süden wecken kann. Unser Gemälde gehört zu den
Hauptwerken Catels, der mit seinen idyllisch-feierlichen Inszenierungen des Meeres beim Publikum sehr erfolgreich war. Seine "Seestücke sind von großem Effekt, und da er zugleich Historienmaler ist, so sind seine Landschaften gut staffirt", heißt es 1825 in Schorns Kunstblatt, dem damals bedeutendsten Kunstorgan. Und die Blätter für Literarische Unterhaltung bewunderten ein Jahr später bei ihm die gelungene Verbindung von Figur und Landschaft: "Die Handelnden sind dabei so wahr und naturgemäß dargestellt, daß jeder sich in das idyllische Daseyn dieser genügsamen Menschen mit Freude hineindenkt. Und dann die […] hervortretende Ferne, das Capo Miseno mit den Inseln Procida und Ischia. Immer von neuem fühlt der freudetrunkene Blick sich hingezogen in das wundersame köstliche Blau des Himmels und seines Wasserspiegels und den ganz zur herrlichsten Natur gewordenen Kunstzauber." Tatsächlich hat Catel wie kein anderer von den deutschen Malern in Rom Landschaft und Genre miteinander verbunden, hat er das Leben der Fischer und das neapolitanische Volksleben zum Thema seiner Kunst gemacht – am eindrucksvollsten in dem bekannten Gemälde "Ländliches Fest in Pozzuoli", das sich in der Neuen Pinakothek in München befindet und einen ähnlichen Blick auf die Inseln Procida und Ischia zeigt. Catel war 1811 nach Rom gekommen und lebte dort bis zu seinem Tod 1856; 1820/21 hielt er sich längere Zeit in Neapel auf, wo er u. a. auf den Norweger Johan Christian Dahl traf, mit dem er Ausflüge in die Umgebung unternahm. Er kehrte mit einem großen Fundus an Studien nach Rom zurück, die er in den folgenden Jahren als teils großformatige Gemälde ausführte.
Catel war mit seinen Gemälden kommerziell der erfolgreichste deutsche Maler in Rom; von vielen seiner Gemälde existieren deshalb mehrere Varianten – so auch von unserem Gemälde, von dem sich eine kleinere, allerdings spiegelbildlich angelegte Version ehemals im Besitz des, in München wohlbekannten Architekten Leo von Klenze befand: "die glückliche Heimkehr des Schiffers, dem seine Familie am Ufer freudig entgegenharrt (am Cap Misene auf der Insel Ischia); und, als Gegenstück, der durch den Seesturm bedrohte Fischer, den Frau und Kinder, am Ufer verzweifelnd, dem gewissen Untergange Preis gegeben erblicken (Parthie der Insel Capri)" (zitiert nach Julius Max Schottky: Über Münchens Kunstschätze und künstlerische, der Oeffentlichkeit gewidmete Bestebungen, München 1833, S. 247). 1841 hatte König Ludwig I. von Bayern Klenzes Gemäldesammlung erworben, die später in die Sammlung der von ihm gegründeten Neuen Pinakothek aufging – auch Catels Gemälde von der glücklichen Heimkehr gehörte dazu, das sich heute auf Schloss Berchtesgaden im Besitz des Wittelsbacher Ausgleichsfonds befindet, während das Gegenstück mit dem Untergang des Fischers heute verschollen ist. Catel hatte das Thema des verunglückten Fischers erstmals 1824 in einem heute ebenfalls verschollenen Gemälde für den berühmten Sammler und Mäzen Johann Gottlob von Quandt in Dresden aufgegriffen, in dem im Gegensatz zur Freude auf unserem Gemälde des Menschen ganze "physische Ohnmacht der wilden Naturkraft gegenüber" zum Ausdruck kommt, wie Quandt selbst schrieb. Das war die andere, furchteinflößende Seite des Meeres, das seine Schrecken noch nicht verloren hatte, die sich aus der Distanz aber ertragen ließen – aus der Betrachtung des dramatischen Gemäldes mit dem stürmischen Meer, den anbrandenden Wellen und der Verzweiflung der Familie ließ sich sogar ästhetischer Genuss ableiten. Es ist gewissermaßen der Nachklang der im 18. Jahrhundert bedeutenden Theorie des Sublimen, des Erhabenen, das beim Betrachter einen schönen Schauer auslösen konnte, solange er sich in Sicherheit befand und die Gefahr nur indirekt erlebte. Im 18. Jahrhundert hatten französische Maler wie Philippe-Jacques de Loutherbourg d. J. und Claude Joseph Vernet das Thema des Seesturms populär gemacht, das Catel unter den Vorzeichen der Romantik wieder aufgriff – mit einem deutlichen Fokus auf Schmerz und Leid der zurückgelassenen Fischersfamilie. Auch von der unglücklichen Heimkehr des Fischers existierten mehrere Versionen, deren heutiger Verbleib aber unbekannt ist – ob zu unserem Gemälde, das in der 2. Hälfte der 1820er Jahre entstanden sein dürfte, auch ehemals ein Pendant mit der unglücklichen Heimkehr gehörte, ist nicht dokumentiert.

Dr. Peter Prange