Egon Schiele

„Vom Berg Isel“ (Bauernhaus am Berg Isel)
Lot ID
Los 516
Künstler
Egon Schiele
Ausstellung
Egon Schiele memorial exhibition, Graphische Sammlung Albertina, Vienna 1948, cat. no. 288 ;
Egon Schiele, Neue Galerie, Linz 1949, cat. no. 188 ;
Gustav Klimt, Egon Schiele, James Ensor, Alfred Kubin: Künstler der Jahrhundertwende/Artists at the Turn of the Century, M. Knoedler, Zurich 1983, cat. no. 22 ;
Egon Schiele: 100 Zeichnungen und Aquarelle/disegni e acquarelli/cent œuvres sur papier, Städtische Galerie, Rosenheim et al. 1988-1994, cat. nos. 92 and 83 respectively;
Egon Schiele, Fondation Pierre Gianadda, Martigny 1995, except cat. no. ;
Egon Schiele, National Gallery of Iceland, Reykjavik 1996 ;
Mezinárodní kulturní centrum Egona Schieleho, Ceský Krumlov, permanent loan since August 1997, without cat;
Man Museo d'arte della Provincia di Nuoro, Nuoro 2007/08 ;
German Expressionism 1900-1913: Masterpieces from the Neue Galerie Collection, Neue Galerie Museum, New York 2013 ;
Egon Schiele: Living Landscapes, Neue Galerie Museum, New York 2024/25.
Provenienz
Estate of the artist, stamped on verso;
Melanie Schiele Schuster, Vienna, sister and executor of the artist's estate, inscribed "M.S." in handwriting on verso;
Collection of Professor Dr. Rudolf Leopold, Vienna;
M. Knoedler & Co, New York;
Serge Sabarsky Collection/Asset, New York, acquired from the aforementioned in 1984;
Collection/Foundation Vally Sabarsky, New York.
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Beschreibung
• Entstanden 1917 während Schieles Tätigkeit als Militärzeichner in Tirol
• Direkt verbunden mit einem Brief an Edith Schiele: „Jetzt gehe ich Bauernhäuser zeichnen.“
• Eigenständiges, signiertes Skizzenblatt mit exemplarischer architektonischer Klarheit

Im Sommer 1917 ist Egon Schiele als Militärzeichner in Tirol tätig. Diese Dienstreisen führen ihn nach Innsbruck, ins Stubaital und auf den Berg Isel. Während dieses Aufenthalts begegnet er dem kunstsinnigen Oberleutnant Karl Grünwald, der zu einem wichtigen Förderer seines späten Schaffens wird. In einem Brief an seine Frau Edith schreibt Schiele am 10. Juni 1917 aus Neustift im Stubaital: „Gestern Samstagvormittag war ich auf dem Iselberg […] Jetzt gehe ich Bauernhäuser zeichnen.“
Das vorliegende Blatt „Vom Berg Isel“ entsteht in diesem Kontext – zunächst im Skizzenbuch, doch durch Signatur und Datierung wird es zu einem eigenständigen Werk. Die schwarzen, präzise gesetzten Linien erfassen das Haus mit ruhiger Konzentration. Die Architektur scheint zugleich fest im Hang verankert und von einem inneren Rhythmus durchzogen. Schieles Blick bleibt analytisch, aber nicht nüchtern: Das Zittern der Linie, die leichte Schräglage der Formen, die Verdichtung der Vegetation – all das verleiht dem Bauwerk eine stille Lebendigkeit.
Diese Tiroler Blätter markieren eine wichtige formale Entwicklung in Schieles Œuvre. Statt expressiver Figurenstudien entstehen nun reduzierte, aber hochdifferenzierte Architekturzeichnungen. Die Landschaft wird zur Bühne innerer Ordnung. Wie Jane Kallir betont, integriert Schiele in dieser Werkphase erstmals kleine Figuren, die sich durch die Komposition bewegen; sie verleihen der Szenerie eine leise erzählerische Dimension.
Das „Bauernhaus am Berg Isel“ steht exemplarisch für diese späte Reifung: minimalistisch, aber detailreich, ruhig und doch voller Spannung. Schiele verwandelt den Blick auf ein einfaches Haus in eine Studie über Gleichgewicht, Struktur und das Vergehen der Zeit.
Ein seltenes, stilles Blatt, das in einer Phase äußerer Pflichterfüllung und innerer Klarheit, in der Schiele seine Kunst noch einmal neu definiert, entstanden ist.

Kallir D 2137.