Franz von Lenbach

Prinzessin Maria von Bayern
Lot ID
Los 131
Live auction
Künstler
Franz von Lenbach
1836 Schrobenhausen - München 1904
Ausstellung
Lenbach-Ausstellung im Königlichen Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, München, 1905, Kat.-Nr. 6.
Provenienz
Aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern.
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2 Aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern
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Beschreibung
Maria Ludwiga Theresia Prinzessin von Bayern (1872 – 1954) ist die Tochter von König Ludwig III. von Bayern und der Erzherzogin Marie Therese von Österreich-Este. Sie heiratet am 31. Mai 1897 in München Prinz Ferdinand von Bourbon-Sizilien, Herzog von Kalabrien.


Nachlass der Herzöge in Bayern

Wenn sich ein Nachlass über Generationen hinweg formt, entsteht mehr als eine Sammlung von Kunstwerken – es verdichtet sich Geschichte. Die Sammlung "Nachlass der Herzöge in Bayern" macht dies anschaulich: Sie führt in die Welt der Wittelsbacher und eröffnet einen zugleich persönlichen wie repräsentativen Blick auf ihr Selbstverständnis.
Mit rund 40 Werken aus fürstlichem Besitz gelangt ein über drei Jahrhunderte gewachsener Nachlass zur Auktion, der das Porträt als Medium zwischen Herrschaftsinszenierung, Erinnerung und historischer Vergewisserung sichtbar macht. Zugleich spiegeln die Arbeiten individuelle Lebenswege ebenso wie ihre kulturellen und politischen Entstehungskontexte.
Im Zentrum stehen Bildnisse der pfälzischen Kurfürsten und der Herzöge in Bayern. In Kleidung, Attributen und Haltung artikulieren sich Rang und dynastische Zugehörigkeit; im Spannungsfeld zwischen Repräsentation und persönlicher Annäherung wird der Wandel des Porträts vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert greifbar.
Eine Schlüsselstellung nehmen die Arbeiten Franz von Lenbachs ein, einem der bedeutendsten Porträtisten des späten 19. Jahrhunderts. Mit souveräner malerischer Meisterschaft und feinem psychologischem Gespür übersetzte er gesellschaftliche Stellung ins Bild. Das Porträt der "Prinzessin Marie von Bayern" (Los 131) steht exemplarisch für diese Verbindung aus Würde und Individualität. Als "Malerfürst" prägte Lenbach das Erscheinungsbild der Eliten seiner Zeit und gehört zu den zentralen Vertretern des deutschen Spätrealismus.
Dem gegenüber steht das Porträt von Christian Schad, einem Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit. Sein 1922 entstandenes Bildnis der "Marie José Herzogin in Bayern" (Los 169) zeigt eine nüchterne, präzise Auffassung, die weniger repräsentiert als analysiert. Schad formuliert damit jene distanzierte, moderne Sicht auf den Menschen, die für die Kunst der Zwischenkriegszeit prägend wurde.
Ergänzend zu den Porträts umfassen die kommenden Seiten eine bemerkenswerte Gruppe von Werken, die den Blick über das Individuum hinaus auf Landschaft, Topografie und kulturelle Lebenswelten richten. Besonders hervorzuheben sind die fein ausgeführten Stadtansichten von Joseph Andreas Weiss, die die bayerischen Regierungsbezirke – von Regensburg bis Bayreuth – in vedutenhafter Präzision erfassen und zugleich ein vielschichtiges Bild regionaler Identität entwerfen. Grafische Blätter wie "Bavaria" aus der Schedel’schen Weltchronik, Szenen wie "Ein Tag im Bade Kreuth" oder Werke wie "Engel in den Wolken" ergänzen dies um anschauliche Momentaufnahmen des gesellschaftlichen Lebens und allegorische Perspektiven.
In ihrer Gesamtheit gewinnt die Sammlung "Nachlass der Herzöge in Bayern" dadurch eine zusätzliche Dimension: Sie vereint nicht nur Porträts als Träger dynastischer Erinnerung, sondern auch Darstellungen von Orten, Regionen und Lebenswelten, die das kulturelle Selbstverständnis ihrer Zeit widerspiegeln. In ihrer Geschlossenheit und herausragenden Provenienz bietet sie eine seltene Gelegenheit: Kunsthistorische Qualität verbindet sich mit dokumentarischer Aussagekraft zu einem facettenreichen Panorama, das dazu einlädt, Geschichte im Medium der Kunst neu zu entdecken.

In Kooperation mit Philipp Württemberg Art Advisory und
SCHEUBLEIN Art & Auktionen.