Carl Spitzweg
Das Quartett
Beschreibung
Nach 1860 drängt sich zunehmend das Geheimnis der Nacht in Spitzwegs beschauliche Bildwelt; er malte Nachtbilder, die den Widerschein des blaugrünen Mondlichts auf den Häusern der Städte und die leuchtenden Gestirne am Firmament auf die Leinwand bannten. Zu diesen Nachtbildern gehören seine zahlreichen, damals allgegenwärtigen Scharwachen genauso wie Gruppen von Musikern, die singend durch die Gassen zogen. Spitzweg war musikbegeistert und hat Ständchen, Kapellen, Gruppen von Straßen- und Kammermusikern im Tageslicht und besonders gern im Dunkel der Nacht dargestellt. Auf unserem Gemälde haben sich vier Sänger auf einem hell ausgeleuchteten, bühnenartigen Treppenabsatz versammelt, ihre Notenblätter vor sich. Ihre Kleidung, ihre verschiedenen Kopfbedeckungen – Hut, Schirmmütze und Zylinder – und ihre Begeisterung für den Gesang vereinigen gleichermaßen Bürgerlichkeit und Hingabe zur Kunst. Der linke Sänger im blauen Mantel, offensichtlich der älteste, ist im Profil gegeben, während die drei anderen mehr oder minder frontal zum Betrachter ausgerichtet sind – sie gruppieren sich zu einer leichten Rundung auf dem Treppenpodest. Von ihm führen verschiedene Treppchen in die Stadt, nach vorn, nach links und nach rechts, ohne das erkenntlich wäre, wohin sie führen. Es gehört zu den Charakteristika der Stadtbilder Spitzwegs, dass er sich von mittelalterlichen Städten, die er auf seinen zahlreichen Reisen besuchte, zwar inspirieren ließ, doch daraus in seinen Gemälden höchst eigenwillige Weise fantastische Stadträume formte. Hohe, schmale Häuser mit wenigen Fenstern drängen sich an die Treppenanlage, ohne Licht, rechts ragt ein verspielter Erker ins Bild, darin ein kleines Licht sichtbar. Ähnlich wie seine Landschaftsbilder versteht Spitzweg auch den Stadtraum als nach hinten fluchtende Schlucht, ist mehr ephemere Kulisse, alles ist eng, gedrängt und bei Nacht so geheimnisvoll, dass man sich an die schmalen, verwinkelten Gassen Venedigs erinnert fühlt.
Und dann das Licht, das die Bühne schlaglichtartig ausleuchtet – es streift die Häuserfassaden und fällt in voller Intensität auf die Fassade rechts und das Treppenpodest. Es sind diese machtvollen Inszenierungen des Lichts, in denen Spitzweg mit künstlichem und natürlichem Licht spielt: Während der Vordergrund als Bühne kraftvoll ausgeleuchtet ist, erscheint im Hintergrund das vom Mond angestrahlte Firmament des Sternenhimmels in grünlich-bläulichem Licht.
Im Werk Spitzwegs finden sich verschiedene Fassungen und Variationen eines nächtlichen Ständchens, alle von hohem malerischen und atmosphärischen Reiz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Versionen fehlt auf unserem Gemälde ein Protagonist bzw. eine Protagonistin, an die der Gesang adressiert ist – die Angebetete, die im Fenster erscheint. So darf man sich vorstellen, dass der Gesang der Musiker besonders von der Hoffnung und Sehnsucht erfüllt ist, dass die Angebetete im beleuchteten Erker noch erscheinen möge – wie so oft, offenbart Spitzweg nicht, ob das Werben der Sänger erfolgreich ist und überlässt stattdessen den Ausgang dieser kleinen Serenade der Fantasie des Betrachters.
Dr. Peter Prange
Und dann das Licht, das die Bühne schlaglichtartig ausleuchtet – es streift die Häuserfassaden und fällt in voller Intensität auf die Fassade rechts und das Treppenpodest. Es sind diese machtvollen Inszenierungen des Lichts, in denen Spitzweg mit künstlichem und natürlichem Licht spielt: Während der Vordergrund als Bühne kraftvoll ausgeleuchtet ist, erscheint im Hintergrund das vom Mond angestrahlte Firmament des Sternenhimmels in grünlich-bläulichem Licht.
Im Werk Spitzwegs finden sich verschiedene Fassungen und Variationen eines nächtlichen Ständchens, alle von hohem malerischen und atmosphärischen Reiz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Versionen fehlt auf unserem Gemälde ein Protagonist bzw. eine Protagonistin, an die der Gesang adressiert ist – die Angebetete, die im Fenster erscheint. So darf man sich vorstellen, dass der Gesang der Musiker besonders von der Hoffnung und Sehnsucht erfüllt ist, dass die Angebetete im beleuchteten Erker noch erscheinen möge – wie so oft, offenbart Spitzweg nicht, ob das Werben der Sänger erfolgreich ist und überlässt stattdessen den Ausgang dieser kleinen Serenade der Fantasie des Betrachters.
Dr. Peter Prange