Alexej Von Jawlensky

Meditation (1935/II/N.69)
Lot ID
Lotto 567
Artista
Alexej Von Jawlensky
Provenienza
Private collection, Northern Germany, by inheritance to the present owner.
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Descrizione
• Bedeutendes Werk Jawlenskys aus seiner Werkreihe „Meditationen"
• Dynamische Pinselführung und ein starker Hell-Dunkel-Kontrast vermitteln emotionale Ausdrucksstärke
• Kleinformatige Arbeit mit charakteristischer Gleichzeitigkeit von Abstraktion und Figuration

Das kleine Ölbild stammt aus den späten Schaffensjahren von Alexej von Jawlensky und gehört zur Werkreihe der „Meditationen“, die ab Mitte der 1930er-Jahre entsteht. In diesen Arbeiten reduziert der Künstler Formen und Farben und entwickelt eine klare, konzentrierte Bildsprache.
Unsere Komposition zeigt eine zentrale, fast symmetrische Anordnung der Farbflächen mit präzise gesetzten Pinselstrichen. Jawlensky abstrahiert die Elemente des Gesichts – Augen, Nase, Mund und Augenbrauen – mit wenigen charakteristischen Linien und erreicht durch diese Reduktion eine meditative Wirkung.

Kleinformate sind ab 1933 innerhalb der Werkreihe oft zu finden. Die kompakte Größe schafft eine besondere Nähe zum Betrachter. Motivisch entwickeln sich die „Meditationen“ aus der zuvor entstandenen Werkserie der „Abstrakten Köpfe“ weiter. Das die Komposition bestimmende Sujet ist das menschliche Gesicht, das Jawlensky nun in noch konsequenterer Abstraktion darstellt. Das serielle Arbeiten, dem sich der Künstler bereits ab 1914 verschreibt, und das mittlerweile immer gleiche, kleine Format seiner Bildträger erlauben ihm, mit fast wissenschaftlicher Experimentierfreude die Wirkung verschiedenster Farbkombinationen und der daraus resultierenden Kontraste auszuloten.
Jawlenskys „Meditationen“ nehmen auch Bezug auf die orthodoxe Ikonenmalerei: Der symmetrische Aufbau, die frontal angeordneten Kompositionen und die Konzentration auf das Wesentliche erinnern an deren strengen Bildkanon.

Neben dem künstlerischen Streben nach Verdichtung und Reduktion zwingt den Künstler auch sein Gesundheitszustand zu einer statischeren Malweise und einer Verkleinerung der Bildformate. Seit Ende der 1920er Jahre wird das Malen für den fast 65-jährigen Künstler immer beschwerlicher. Er leidet an Arthritis mit erheblichen Lähmungserscheinungen in Händen und Kniegelenken, seine Beweglichkeit ist stark reduziert und mit großen Schmerzen verbunden. Doch Jawlensky lässt sich nicht vom Malen abhalten. Gerade die Präzision und Klarheit seiner späten Arbeiten zeigt die außergewöhnliche Disziplin und Konzentration, mit der er selbst unter körperlicher Belastung ausdruckstarke Werke verwirklicht.
Unsere „Meditation“ ist ein herausragendes Beispiel für Jawlenskys späte Phase, in der er seine formale Klarheit, expressive Farbgestaltung und meditative Bildsprache trotz gesundheitlicher Widrigkeiten konsequent weiterführt.

Recto auf dem Unterlagekarton am unteren Rand von Lisa Kümmel, der Assistentin des Künstlers, bezeichnet: „II.1935. 69" sowie verso mittig: „A. Jawlensky II 1935 W.69" und am unteren Rand „II.1935. I.A. N.69" (die „9" kaum mehr sichtbar)

Mit einer Expertise vom Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto, vom 30.4.2025. Das Werk wird in das Werkverzeichnis von Alexej von Jawlensky aufgenommen.