Wassily Kandinsky
Ohne Titel
Descrizione
• Herausragendes Beispiel der geometrischen Abstraktion aus der Bauhaus-Phase
• Seltene Widmung und erstklassige historische Provenienz
• Bedeutendes Vergleichswerk existiert im musealen Kontext
Wassily Kandinsky ist von den künstlerischen Neuerungen aus Russland und Europa fasziniert. Angeregt von den fortschrittlichen Technologien und Theorien seiner Zeit, widmet er sich der Geometrischen Abstraktion und schafft Werke, die an konstruktivistische Kompositionen erinnern und sich durch eine bemerkenswerte Reduktion und Strenge auszeichnen.
Das vorliegende unbetitelte Werk verfügt über eine Verknappung und Beruhigung der Bildsprache und wirkt weniger expressiv als frühere Arbeiten. Schematisierte Einzelformen bestimmen die Komposition. Im Zentrum dominiert ein orangefarbenes, leicht asymmetrisches Dreieck. Weitere geometrische Gebilde – Dreieck, Rechteck und Sichel – schweben isoliert auf einer dunkel aquarellierten Farbwolke in Dunkelgrün, Blau und Violett, die sich von dem hellen Farbton des Papiers abhebt. Mit dem eingesetzten Komplementärkontrast von Orange und Blau erzielt Kandinsky eine spannungs- und kontrastreiche Wirkung, die dem Blatt eine innere Lebendigkeit verleiht.
In seinen Schriften zur Abstrakten Kunst entfaltet Kandinsky seine Ideen zur Farben- und Formenlehre, zur Farbpsychologie sowie zur Verbindung von Malerei und Musik. Als Synästhetiker erlebt er Farben nicht allein als optische, sondern zugleich als akustische Reize. Seine theoretischen Texte fungieren als Schlüssel zu seinem Denken über die emotionale und seelische Wirkung von Farbe und Form und erläutern den Begriff des „Farbklangs“ oder der „Farbsymphonie“ als zentrales künstlerisches Prinzip.
Auf seine programmatische Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ (1912) folgt ab 1921 die von ihm selbst so bezeichnete „kühle“ Periode, wenngleich diese von emotionaler Tiefe geprägt ist. Wenn Kandinsky von „Kühle“ und „Eis“ spricht, so meint er dies im existenziellen Sinn: „dass die höchste Kühle die höchste Tragik ist“. In einem Brief an den Kunstkritiker Will Grohmann formuliert er es im Jahr 1930 fast visionär: „So werde die kommende Romantik ein Stück Eis sein, in dem eine Flamme brennt. Wenn die Menschen nur das Eis spüren und die Flamme nicht, desto schlimmer für sie.“
1922 dem Ruf Walter Gropius’ folgend, übernimmt Kandinsky eine Professur am Staatlichen Bauhaus in Weimar, wo er elf Jahre lang in einem von internationalem Austausch und schöpferischer Vielfalt geprägten Umfeld lehrt. Zu seinen Kollegen zählen Josef Albers, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer. Der über die Grenzen der Disziplinen hinausgehende Dialog zwischen bildender und angewandter Kunst bereichert seine Malerei wesentlich.
Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau im Jahr 1925 erfährt Kandinskys Formensprache eine weitere Reduktion und Vereinfachung, die geprägt ist vom Spiel geometrischer Elemente. Statt der dominanten Diagonalen wählt er zunehmend die orthogonale und planimetrische Anordnung der Bildelemente, wie es das vorliegende Aquarell zeigt. Dieses steht darüber hinaus in engem Zusammenhang mit dem im gleichen Jahr entstandenen Gemälde „Weisse Schärfe“ (November 1930), für das Kandinsky einen ähnlichen Bildaufbau wählte (vgl. WVZ Roethel/Benjamin 975). Bemerkenswert ist die Verwendung derselben, nur wenig veränderten geometrischen Formen und deren Anordnung sowie die andere farbige Ausführung, die sich vor allem durch einen Schwarz-Weiß-Kontrast auszeichnet. Im Zentrum ruht ein großes, weiß marmoriertes Dreieck, das umgeben ist von einer dunklen, amorphen Form. Die Komposition weckt Assoziationen zu einem abstrakten Porträt. Seit 1964 befindet sich das Werk im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam.
Kandinsky widmet das Blatt dem Wiesbadener Kunstsammler und Mäzen Heinrich Kirchhoff (1874–1934) zum Jahreswechsel 1931. Kirchhoff, eine der bedeutendsten Sammlerpersönlichkeiten der Moderne in Deutschland, pflegte enge Kontakte zu zahlreichen Künstlern seiner Zeit und besaß Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, George Grosz, Conrad Felixmüller und Alexej von Jawlensky, dessen wichtigster Förderer er wurde. Nach Kirchhoffs Tod im Jahr 1934 wurde seine herausragende Sammlung aufgelöst und verkauft.
Beachtenswert ist die formale Ähnlichkeit zu einem weiteren Werk Kandinskys, das quadratische Ölgemälde „Beruhigt“ (1930), das im selben Jahr am Bauhaus entstanden ist, und in dieser Auktion bei Karl & Faber zum Aufruf kommt (Los 569).
Barnett 1005.
• Seltene Widmung und erstklassige historische Provenienz
• Bedeutendes Vergleichswerk existiert im musealen Kontext
Wassily Kandinsky ist von den künstlerischen Neuerungen aus Russland und Europa fasziniert. Angeregt von den fortschrittlichen Technologien und Theorien seiner Zeit, widmet er sich der Geometrischen Abstraktion und schafft Werke, die an konstruktivistische Kompositionen erinnern und sich durch eine bemerkenswerte Reduktion und Strenge auszeichnen.
Das vorliegende unbetitelte Werk verfügt über eine Verknappung und Beruhigung der Bildsprache und wirkt weniger expressiv als frühere Arbeiten. Schematisierte Einzelformen bestimmen die Komposition. Im Zentrum dominiert ein orangefarbenes, leicht asymmetrisches Dreieck. Weitere geometrische Gebilde – Dreieck, Rechteck und Sichel – schweben isoliert auf einer dunkel aquarellierten Farbwolke in Dunkelgrün, Blau und Violett, die sich von dem hellen Farbton des Papiers abhebt. Mit dem eingesetzten Komplementärkontrast von Orange und Blau erzielt Kandinsky eine spannungs- und kontrastreiche Wirkung, die dem Blatt eine innere Lebendigkeit verleiht.
In seinen Schriften zur Abstrakten Kunst entfaltet Kandinsky seine Ideen zur Farben- und Formenlehre, zur Farbpsychologie sowie zur Verbindung von Malerei und Musik. Als Synästhetiker erlebt er Farben nicht allein als optische, sondern zugleich als akustische Reize. Seine theoretischen Texte fungieren als Schlüssel zu seinem Denken über die emotionale und seelische Wirkung von Farbe und Form und erläutern den Begriff des „Farbklangs“ oder der „Farbsymphonie“ als zentrales künstlerisches Prinzip.
Auf seine programmatische Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ (1912) folgt ab 1921 die von ihm selbst so bezeichnete „kühle“ Periode, wenngleich diese von emotionaler Tiefe geprägt ist. Wenn Kandinsky von „Kühle“ und „Eis“ spricht, so meint er dies im existenziellen Sinn: „dass die höchste Kühle die höchste Tragik ist“. In einem Brief an den Kunstkritiker Will Grohmann formuliert er es im Jahr 1930 fast visionär: „So werde die kommende Romantik ein Stück Eis sein, in dem eine Flamme brennt. Wenn die Menschen nur das Eis spüren und die Flamme nicht, desto schlimmer für sie.“
1922 dem Ruf Walter Gropius’ folgend, übernimmt Kandinsky eine Professur am Staatlichen Bauhaus in Weimar, wo er elf Jahre lang in einem von internationalem Austausch und schöpferischer Vielfalt geprägten Umfeld lehrt. Zu seinen Kollegen zählen Josef Albers, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer. Der über die Grenzen der Disziplinen hinausgehende Dialog zwischen bildender und angewandter Kunst bereichert seine Malerei wesentlich.
Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau im Jahr 1925 erfährt Kandinskys Formensprache eine weitere Reduktion und Vereinfachung, die geprägt ist vom Spiel geometrischer Elemente. Statt der dominanten Diagonalen wählt er zunehmend die orthogonale und planimetrische Anordnung der Bildelemente, wie es das vorliegende Aquarell zeigt. Dieses steht darüber hinaus in engem Zusammenhang mit dem im gleichen Jahr entstandenen Gemälde „Weisse Schärfe“ (November 1930), für das Kandinsky einen ähnlichen Bildaufbau wählte (vgl. WVZ Roethel/Benjamin 975). Bemerkenswert ist die Verwendung derselben, nur wenig veränderten geometrischen Formen und deren Anordnung sowie die andere farbige Ausführung, die sich vor allem durch einen Schwarz-Weiß-Kontrast auszeichnet. Im Zentrum ruht ein großes, weiß marmoriertes Dreieck, das umgeben ist von einer dunklen, amorphen Form. Die Komposition weckt Assoziationen zu einem abstrakten Porträt. Seit 1964 befindet sich das Werk im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam.
Kandinsky widmet das Blatt dem Wiesbadener Kunstsammler und Mäzen Heinrich Kirchhoff (1874–1934) zum Jahreswechsel 1931. Kirchhoff, eine der bedeutendsten Sammlerpersönlichkeiten der Moderne in Deutschland, pflegte enge Kontakte zu zahlreichen Künstlern seiner Zeit und besaß Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, George Grosz, Conrad Felixmüller und Alexej von Jawlensky, dessen wichtigster Förderer er wurde. Nach Kirchhoffs Tod im Jahr 1934 wurde seine herausragende Sammlung aufgelöst und verkauft.
Beachtenswert ist die formale Ähnlichkeit zu einem weiteren Werk Kandinskys, das quadratische Ölgemälde „Beruhigt“ (1930), das im selben Jahr am Bauhaus entstanden ist, und in dieser Auktion bei Karl & Faber zum Aufruf kommt (Los 569).
Barnett 1005.