Adolf Erbslöh

„Dingelsdorf am Bodensee“
Lot ID
Lotto 537
Artista
Adolf Erbslöh
Ausstellung
Adolf Erbslöh. Painting, Von der Heydt-Museum, Wuppertal a.o. 1992, except cat., verso with corresponding shipping label.
Letteratura
Adolf Erbslöh 1881-1947, With a catalog of the paintings, Kunst- und Museumsverein Wuppertal u.a. 1967, no. 121, no illus.
Provenienza
Estate of the artist, by succession to the present owner, private property, Northern Germany.
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Descrizione
• „Kristalline“ Komposition von 1920 – ein Hauptwerk der strukturellen Landschaftsmalerei Erbslöhs
• Auseinandersetzung mit der Neuen Sachlichkeit, zugleich getragen von stiller Emotionalität und malerischer Balance
• Marktfrisch aus langjährigem Privatbesitz

Adolf Erbslöh, 1881 in New York geboren und in Wuppertal aufgewachsen, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Moderne. Als Mitbegründer der „Neuen Künstlervereinigung München“ prägt er ab 1909 den frühen Expressionismus entscheidend mit und gehört zu jenem Kreis um Kandinsky, Münter und Jawlensky, der die Kunst in eine neue, geistige Dimension führt. Nach den aufgeladenen Jahren des Ausdrucks findet Erbslöh zu Beginn der 1920er Jahre zu einer ruhigeren, strukturell durchdachten Formensprache – in Auseinandersetzung mit den Tendenzen der Neuen Sachlichkeit, jedoch ohne sich einer Stilrichtung eindeutig zuordnen zu wollen. Er bleibt stets ein eigenständiger Suchender, der Emotion und Ordnung miteinander in Einklang bringt.

Anfang der 1920er Jahre unternimmt Erbslöh mehrere Reisen auf der Suche nach neuen Landschaften und Motiven, die seiner inneren Neuausrichtung entsprechen.
„In den frühen 1920er Jahre malte Adolf Erbslöh vor allem landschaftliche Szenen. Diese zeichnen sich durch eine strenge Bildtektonik aus. Die Gebirge, Baumwipfel, Dächer und Hausfassaden sind auf pyramidal verschachtelte Flächen mit Licht- und Schattenzonen verknappt.“

Das vorliegende Werk „Dingelsdorf am Bodensee“ gehört zu dieser bedeutenden Werkgruppe, die als „kristalline Bilder“ bezeichnet werden. Hier verdichtet Erbslöh die Landschaft zu einem Gefüge aus präzise austarierten Flächen und geometrisch wirkenden Formen. Die Böschung mit Sträuchern und Bäumen erhebt sich in abgestuften Grüntönen, auf ihrem Rücken ruht das Dorf Dingelsdorf – kompakt, klar gefasst, fast monumental in seiner Stille. Der schmale Himmel über der hochgezogenen Horizontlinie lässt das Bild geschlossen wirken, als hätte sich die Welt für einen Augenblick beruhigt.

Farblich dominiert ein feines Spektrum von Grüntönen, durchzogen von warmen, erdigen Akzenten, die das Werk mit subtiler Lebendigkeit aufladen. Der Pinselauftrag ist ruhig und kontrolliert, die Flächen sind rhythmisch gegliedert – fast wie die Facetten eines Kristalls. Erbslöh verwandelt Natur in Struktur – Farbe wird Fläche, Fläche wird Form, und aus der Form spricht Ruhe. Erbslöh geht es nicht mehr um die spontane Erregung der Farbe, sondern um den inneren Zusammenklang, die stille Architektur der Natur.

In diesem Werk zeigt sich der Übergang von der expressiven Geste hin zu einer neuen Konzentration und Klarheit. Erbslöh malt die Landschaft nicht mehr als Spiegel des Augenblicks, sondern als dauerhafte Ordnung – als Gleichgewicht von Empfindung und Konstruktion. Die Natur wird ihm zur Metapher für geistige Ruhe und harmonische Struktur.

Verso mit handschriftlicher Widmung von 1998.

Salmen/Billeter 1920/5.