Johanna Kanoldt

Schwabinger Ansicht (Georgenstraße)
Künstler
Johanna Kanoldt
1880 Karlsruhe – München 1940
Weitere Informationen
Verso auf dem Keilrahmen alte Etikettreste (wohl Galerie und Zoll).
Provenienz
Kunsthandel Traugott Matthias, Stuttgart;
Privatbesitz, Baden-Württemberg, 1974 bei Vorgenanntem erworben.
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Beschreibung
Johanna Kanoldt zählt 1909 zu den wenigen weiblichen Gründungsmitgliedern der expressionistischen "Neuen Künstlervereinigung München", ist jedoch im Gegensatz zu den Kolleginnen Gabriele Münter und Marianne von Werefkin weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei stammt sie aus der bekannten Künstlerfamilie Kanoldt. Der Vater Edmund Kanoldt war als Maler in Karlsruhe tätig, ihr ein Jahr jüngere Bruder Alexander Kanoldt gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit. 1920 nimmt Johanna Kanoldt an der "Ausstellung von Werken badischer Künstler" in Karlsruhe teil, 1930 ist sie im Münchner Glaspalast auf der "Deutschen Kunstausstellung München" vertreten, ebenso wie 1931 auf der dortigen Frühjahrsausstellung der Münchener Neuen Secession.
Als junge Frau widmet sich Johanna Kanoldt zunächst dem Gesangsstudium, das sie aus gesundheitlichen Gründen aber nicht weiterverfolgen kann. Daher wendet sie sich schriftstellerischen und publizistischen Tätigkeiten zu. Parallel studiert sie Malerei an verschiedenen privaten Kunstschulen, da ihr als Frau der Zugang zu den Kunstakademien verwehrt bleibt: zunächst an der Malerinnenschule in ihrem Geburtsort Karlsruhe, dann an der Münchner Damen-Akademie sowie recht spät, 1918, noch einmal in der "Hans Hofmann Schule für Bildende Kunst", die als eine der ersten Schulen für moderne Kunst gilt. Diese Schule befand sich in einem kleinen Gartenhaus in der Georgenstraße 40 in München-Schwabing, nicht weit von Kanoldts Wohnhaus am Nikolaiplatz entfernt. Bei dem Motiv des 1918 entstandenen Gemäldes könnte es sich eventuell um eine Ansicht aus diesem Garten-Hinterhof handeln, wie die rückseitige Bezeichnung nahelegt. Auf den Glaspalast Ausstellungen 1930 und 1931 war Johanna Kanoldt mit den heute nicht mehr nachweisbaren Gemälden "Blick in meinen Garten" und "Bayrischer Garten" vertreten. Es sind vermutlich ähnliche Motive wie unsere "Schwabinger Ansicht", allerdings ist es recht unwahrscheinlich, dass die Künstlerin im Glaspalast ein bereits 1918 entstandenes Werk ausstellte.

Erst 2023 erscheint die erste umfangreiche Publikation zu Johanna Kanoldt, in der die Autoren Karin Hellwig und Volker Schümmer ihre Biografie und ihre vielfältigen literarisch-künstlerischen Tätigkeiten würdigen. Auf dem Kunstmarkt ist die Künstlerin nicht präsent, in den Datenbanken artnet und artprice wird sie nicht gelistet. Somit ist das Gemälde "Schwabinger Ansicht" eine wahre Rarität.