Emil Nolde

Gelbe, rote und violette Blumen
Künstler
Emil Nolde
1867 Nolde - Seebüll 1956
Weitere Informationen
Mit einer Fotoexpertise von Professor Dr. Manfred Reuther, Seebüll, vom 11.2.2014. Das Werk ist in der Ada und Emil Nolde Stiftung, Seebüll, registriert.
Ausstellung
Meister der Klassischen Moderne, Haus Beda, Bitburg 2013, Kat.-Nr. 20;
Emil Nolde. Aquarelle, Galerie Schwarzer, Düsseldorf 2012.
Provenienz
Roman Norbert Ketterer, Campione;
Sammlung Karl-Heinz Reinheimer, Sindelfingen;
Privatsammlung, Süddeutschland.
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Beschreibung
• Dicht aufgebaute, farbintensive Blumenkomposition
• Freier, fließender Aquarellauftrag ohne zeichnerische Konturen
• Typisches Beispiel für Noldes ausgereifte Blumenaquarelle der 1920er Jahre

Das vorliegende Aquarell zeigt eine dicht gefügte, nahezu flächig organisierte Blumenkomposition, in der sich rote, violette und gelbe Blüten zu einem farblich gesteigerten Gefüge verdichten. Die einzelnen Formen sind nicht botanisch präzise definiert, sondern in locker gesetzten, ineinanderfließenden Farbflecken angelegt. Rottöne modulieren sich in dunklere, teils fast bräunliche Partien, während die violetten Blüten durch kühle, bläuliche Akzente differenziert werden. Das leuchtende Gelb im Zentrum wirkt als kompositorischer Schwerpunkt und strukturiert das Bildfeld.
Charakteristisch ist der weitgehende Verzicht auf Konturen und Umrisslinien. Der Bildaufbau entwickelt sich primär aus der Farbe selbst: In den feuchten Partien verlaufen die Pigmente frei ineinander und erzeugen weiche Übergänge, während dichtere Setzungen einzelne Blüten akzentuieren. Diese Arbeitsweise entspricht Noldes bevorzugter Aquarelltechnik, bei der er ohne vorbereitende Zeichnung unmittelbar mit der Farbe operiert und so eine gesteigerte, spontane Bildwirkung erzielt.
Das Motiv der Blumen gehört zu den zentralen Themen im Werk Emil Noldes und tritt besonders im Aquarell seit den 1910er Jahren kontinuierlich hervor. Um 1920 findet Nolde zu jener charakteristischen Form seiner Blumenaquarelle, die durch den freien, fließenden Farbauftrag und die Reduktion der Form zugunsten farblicher Wirkung bestimmt ist. Die vorliegende Arbeit steht exemplarisch für diese Werkphase, in der sich Motiv und Technik zu einer unverwechselbaren Bildsprache verbinden.
Die Verwendung von Japanpapier ist dabei wesentlich. Das saugfähige Material ermöglicht ein tiefes Eindringen der Farbe und verstärkt deren Transparenz und Leuchtkraft. Gleichzeitig bleibt der Entstehungsprozess sichtbar: Verlaufsränder, Verdichtungen und Ausblühungen der Farbe sind integraler Bestandteil der Bildwirkung und verleihen der Komposition eine eigentümliche, zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung oszillierende Qualität.