Egon Schiele
Recto: Sitzende Dame im Profil nach links, in blauem Kleid – Verso: Weiblicher Halbakt (Hand, Bauch und Schenkel)
Beschreibung
• Vorzeichnung zum verschollenen Gemälde "Damenbildnis im Profil" (Kallir P 109)
• Innovative Nutzung des Bildausschnitts als Handlungsraum
• Aus der renommierten Sammlung von Serge Sabarsky
Was sie da macht, hat uns Egon Schiele vielleicht im Gemälde "Damenbildnis im Profil" offenbart. Das Bild bleibt verschollen, die Vorzeichnung lässt uns raten – und fantasieren. Da sitzt eine Dame, nutzt den Bildausschnitt wie einen Fensterrahmen, in welchen sie sich lässig gesetzt hat … und, nunja, was eigentlich? Womöglich liest sie, informiert sich aus der Tagespresse oder genießt einen Roman, bildet sich mit einer wissenschaftlichen Publikation? Vielleicht geht sie einer Handarbeit nach, stopft Socken, stickt, näht? Liest Erbsen? Rechnet das Hausgeld durch, kalkuliert, bemisst, trifft harte Entscheidungen? Es wird Spekulation bleiben. Zwar zeigt uns Schiele in seiner Zeichnung, wie genial er Bildrahmen zu Handlungsrahmen machen kann, doch die eigentlich intendierte Handlung bleibt uns verborgen. Womöglich bleibt auch im fertig ausgeführten Gemälde verborgen, was hier geschieht und womöglich ist es auch egal. Womöglich ist die Sitzende Imaginationsfläche für unsere Interpretationen und eigene Erzählfreude. Und vielleicht, ganz vielleicht, tut sie etwas Unerhörtes, was wir alle viel zu wenig tun: Einfach mal nichts.
• Innovative Nutzung des Bildausschnitts als Handlungsraum
• Aus der renommierten Sammlung von Serge Sabarsky
Was sie da macht, hat uns Egon Schiele vielleicht im Gemälde "Damenbildnis im Profil" offenbart. Das Bild bleibt verschollen, die Vorzeichnung lässt uns raten – und fantasieren. Da sitzt eine Dame, nutzt den Bildausschnitt wie einen Fensterrahmen, in welchen sie sich lässig gesetzt hat … und, nunja, was eigentlich? Womöglich liest sie, informiert sich aus der Tagespresse oder genießt einen Roman, bildet sich mit einer wissenschaftlichen Publikation? Vielleicht geht sie einer Handarbeit nach, stopft Socken, stickt, näht? Liest Erbsen? Rechnet das Hausgeld durch, kalkuliert, bemisst, trifft harte Entscheidungen? Es wird Spekulation bleiben. Zwar zeigt uns Schiele in seiner Zeichnung, wie genial er Bildrahmen zu Handlungsrahmen machen kann, doch die eigentlich intendierte Handlung bleibt uns verborgen. Womöglich bleibt auch im fertig ausgeführten Gemälde verborgen, was hier geschieht und womöglich ist es auch egal. Womöglich ist die Sitzende Imaginationsfläche für unsere Interpretationen und eigene Erzählfreude. Und vielleicht, ganz vielleicht, tut sie etwas Unerhörtes, was wir alle viel zu wenig tun: Einfach mal nichts.