Carl Spitzweg
Jäger, einem Mädchen nachblickend
Beschreibung
Die Begegnung zwischen den Geschlechtern besitzt im Werk Spitzwegs einen hohen Stellenwert und ist nicht immer frei von Biografischem. Seine große Liebe Clara Lechner verstarb vor der geplanten Hochzeit an einem Lungenkatarrh und nach diesem schmerzhaften Verlust ging Spitzweg keine ernsthafte Beziehung mehr ein. Er blieb sein Leben lang jener Hagestolz, den er in seinem Gemälden unzählige Male thematisiert hat. Auch sonst ist das Thema Liebe und Hochzeit in seinem Werk präsent wie bei kaum einem anderen Künstler – Gemälde wie Der abgefangene Liebesbrief oder Der ewige Hochzeiter erzählen von solchen Begegnungen zwischen den Geschlechtern, die zumeist nur flüchtiger Natur waren.
So auch auf unserem Gemälde, auf dem ein Jäger einer Sennerin nachblickt, die auf einem Pfad in ein kleines Tal hinabschreitet, um zu Sennhütte hinaufzusteigen, die links hinter der schroffen Bergkuppe sichtbar ist. Die Sennerin mit ihrer Kopflast, bekleidet mit rotem Rock, blauer Schürze, goldgelbem Mieder und weißer Bluse, verkörpert das Frauenideal des Künstlers, das er in zahlreichen, thematisch ähnlichen Gemälden aufgegriffen hat. Sind sie und der Jäger sich vorher begegnet und haben miteinander geredet, sich womöglich für ein weiteres Treffen verabredet? Oder ist es das Bild einer nicht zu erfüllenden Sehnsucht, einer verpassten Gelegenheit, sich der jungen Frau zu nähern, und der der Jäger nun mit wehmütigem Blick nachsinnt? Wie immer lässt Spitzweg diese Frage offen, inszeniert die Flüchtigkeit ihrer Begegnung und überlässt den Betrachter seiner eigenen Moral und Fantasie.
Wie so oft zeigt Spitzweg den Jäger nicht als heroischen Bezwinger der Natur sondern als etwas kauzigen Sonderling, der die Jagd nicht immer erfolgreich beendet. Unser Gemälde ist unter verschiedenen Titeln bekannt, u. a. auch als der Jäger Kobell (auch als Le Chasseur Kobell), mit dem nicht Spitzwegs Malerkollege Wilhelm von Kobell gemeint ist, sondern nach alter Überlieferung der Münchner Mundartdichter und Professor der Mineralogie Franz von Kobell, dessen Physikvorlesungen Spitzweg 1829/30 an der Münchner Universität besucht hatte. Der Jäger soll Kobells Gesichtszüge tragen und ist Teil einer Reihe von Bildnissen und Genreszenen in Spitzwegs Spätwerk, in denen er bekannte Persönlichkeiten als typische Charaktere erscheinen lässt.
Doch handelt es sich bei unserem Gemälde überhaupt um eine Genreszene oder ist es eher eine Landschaft? Diese Frage stellt sich bei Spitzweg eigentlich immer – zu eng sind bei ihm alltägliche Handlungen mit seiner Vorstellung von Natur verwoben. Auch hier führt der Weg in eine Schlucht, die Sehnsucht und Realität voneinander scheidet, bereiten links im Vordergrund der abgeschnittene Efeuzweig und rechts der Wassertrog mit dem saufenden Hund, die Felsenwand mit Marterl und Bank sowie zuletzt das Gatter die Bühne für den Jäger, hinter dem sich die Schlucht in grüner, aufgewühlter Farbigkeit auftut, die an die Farbstrudel eines William Turner gemahnt. Hier zeigt sich Spitzweg als großartiger Kolorist, der Farbe in Emotion übersetzt, hier offenbart die für sein Spätwerk charakteristische, lockere Pinselführung fast protoimpressionistische Züge seiner Malerei.
Dr. Peter Prange
So auch auf unserem Gemälde, auf dem ein Jäger einer Sennerin nachblickt, die auf einem Pfad in ein kleines Tal hinabschreitet, um zu Sennhütte hinaufzusteigen, die links hinter der schroffen Bergkuppe sichtbar ist. Die Sennerin mit ihrer Kopflast, bekleidet mit rotem Rock, blauer Schürze, goldgelbem Mieder und weißer Bluse, verkörpert das Frauenideal des Künstlers, das er in zahlreichen, thematisch ähnlichen Gemälden aufgegriffen hat. Sind sie und der Jäger sich vorher begegnet und haben miteinander geredet, sich womöglich für ein weiteres Treffen verabredet? Oder ist es das Bild einer nicht zu erfüllenden Sehnsucht, einer verpassten Gelegenheit, sich der jungen Frau zu nähern, und der der Jäger nun mit wehmütigem Blick nachsinnt? Wie immer lässt Spitzweg diese Frage offen, inszeniert die Flüchtigkeit ihrer Begegnung und überlässt den Betrachter seiner eigenen Moral und Fantasie.
Wie so oft zeigt Spitzweg den Jäger nicht als heroischen Bezwinger der Natur sondern als etwas kauzigen Sonderling, der die Jagd nicht immer erfolgreich beendet. Unser Gemälde ist unter verschiedenen Titeln bekannt, u. a. auch als der Jäger Kobell (auch als Le Chasseur Kobell), mit dem nicht Spitzwegs Malerkollege Wilhelm von Kobell gemeint ist, sondern nach alter Überlieferung der Münchner Mundartdichter und Professor der Mineralogie Franz von Kobell, dessen Physikvorlesungen Spitzweg 1829/30 an der Münchner Universität besucht hatte. Der Jäger soll Kobells Gesichtszüge tragen und ist Teil einer Reihe von Bildnissen und Genreszenen in Spitzwegs Spätwerk, in denen er bekannte Persönlichkeiten als typische Charaktere erscheinen lässt.
Doch handelt es sich bei unserem Gemälde überhaupt um eine Genreszene oder ist es eher eine Landschaft? Diese Frage stellt sich bei Spitzweg eigentlich immer – zu eng sind bei ihm alltägliche Handlungen mit seiner Vorstellung von Natur verwoben. Auch hier führt der Weg in eine Schlucht, die Sehnsucht und Realität voneinander scheidet, bereiten links im Vordergrund der abgeschnittene Efeuzweig und rechts der Wassertrog mit dem saufenden Hund, die Felsenwand mit Marterl und Bank sowie zuletzt das Gatter die Bühne für den Jäger, hinter dem sich die Schlucht in grüner, aufgewühlter Farbigkeit auftut, die an die Farbstrudel eines William Turner gemahnt. Hier zeigt sich Spitzweg als großartiger Kolorist, der Farbe in Emotion übersetzt, hier offenbart die für sein Spätwerk charakteristische, lockere Pinselführung fast protoimpressionistische Züge seiner Malerei.
Dr. Peter Prange