Römisch

Geburt des Bacchus
Lot ID
Los 29
Live auction
Künstler
Römisch
Provenienz
Internationale Privatsammlung.
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Beschreibung
Die vorliegende Komposition geht auf "Die Geburt des Bacchus" von Nicolas Poussin zurück, das sich heute im Fogg Art Museum/The Harvard Art Museums in Cambridge/USA befindet. Die vorliegende Fassung entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts im römischen Umfeld und folgt der Erfindung Poussins in den wesentlichen Zügen, erlaubt sich jedoch – ganz im Sinne der Zeit – einen freien Umgang mit den literarischen Quellen. Weniger die stringente Erzählung als vielmehr die sinnbildliche Verdichtung eines Themas steht im Vordergrund: die Idee von Fruchtbarkeit und Erneuerung.
Im Zentrum der Darstellung steht das neugeborene Kind, das von Apollo den Nymphen von Nysa übergeben wird, einem mythisch entrückten Ort ohne geografische Bestimmbarkeit. Über der Szene erscheint Jupiter, der göttliche Vater, auf Wolken thronend. Der geläufige Titel "Geburt des Bacchus" erweist sich dabei als nur bedingt zutreffend, da nicht der eigentliche Geburtsmoment, sondern vielmehr die anschließende Rettung und Übergabe des Kindes dargestellt ist.
Die antike Überlieferung zur Herkunft des Gottes ist vielgestaltig. In der geläufigsten Version ist Semele, eine Sterbliche, die Mutter des Kindes, die durch das Eingreifen der eifersüchtigen Juno ums Leben kommt. Jupiter rettet daraufhin den ungeborenen Bacchus, indem er ihn in seinem Schenkel austrägt und ein zweites Mal zur Welt bringt – ein Motiv, das dem griechischen Namen Dionysos ("der zweimal Geborene") zugrunde liegt. In der Obhut der Nymphen wächst das Kind schließlich heran, geschützt vor dem Zorn Junos, und wird später zum Gott des Weines, der Ekstase und der schöpferischen Lebenskraft.
Poussin erweitert diese Szene jedoch um eine bewusst kontrastierende Nebenhandlung: Am rechten Bildrand erscheinen Echo und Narziss als Gegenfiguren. Ihre Geschichte steht nicht für Fortpflanzung und Kontinuität, sondern für Vergeblichkeit und Selbstverlust. Echo, von Juno bestraft, ist zur bloßen Wiederholung fremder Worte verdammt; ihre unerfüllte Liebe zu Narziss führt zur allmählichen Auflösung ihres Körpers. Narziss wiederum verfällt – von Nemesis gestraft – der Betrachtung seines eigenen Spiegelbildes und geht daran zugrunde.
In der Gegenüberstellung dieser beiden Bildsphären entfaltet sich ein vielschichtiges Programm: Der gerettete Bacchus verkörpert das Versprechen von Wachstum, Fruchtbarkeit und vitaler Energie, während Echo und Narziss die Kehrseite markieren – eine in sich kreisende Existenz, die in Isolation und Vergänglichkeit endet. So gewinnt die Komposition über die bloße mythologische Erzählung hinaus den Charakter einer allegorischen Reflexion über Werden und Vergehen.