Schwaben

Anna Selbdritt
Lot ID
Los 7
Live auction
Künstler
Schwaben
Literatur
Friedrich Lübbecke, Die Sammlung Ullmann zu Frankfurt/Main, Die mittelalterliche Plastik, in: Georg Biermann, Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers und Sammlers, 8. Jg., Heft 19/20, Leipzig 1916, S. 379–399, Abb. 18;
Hubert Wilm, Die gotische Holzfigur, ihr Wesen und ihre Technik, Leipzig 1923, S. 155, Abb. Tafel 71;
Pater Beda Kleinschmidt, Die heilige Anna. Ihre Verehrung in Geschichte, Kunst und Volkstum, Düsseldorf 1930, S. 241;
Maike Brüggen, Kunst in der Krise. Die Sammlung Hedwig und Albert Ullmann und der Frankfurter Kunstmarkt im Spiegel des Ersten Weltkriegs, 2022, S. 250.
Provenienz
Antiquitätenhändler Gustav Mögle, Frankfurt (bis 1907);
Hedwig und Albert Ullmann, Frankfurt am Main (von 1907–1938), bei Vorgenanntem erworben (siehe: Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers und Sammlers, 8. Jg., Heft 19/20, Leipzig 1916, S. 379–399, Abb. 18, https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1916/0411/image,info);
Auktion Hans W. Lange, Berlin 7.-9.4.1938, Los 88, von Hedwig Ullmann eingeliefert;
Kunsthandlung Julius Böhler (https://boehler.zikg.eu/wisski/navigate/11966/view);
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen, am 25.11.1939 bei Vorgenanntem erworben;
Privatbesitz, Hessen (durch Erbschaft vom Vorgenannten).
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Beschreibung
Die Darstellung der Anna Selbdritt gehört zu den verbreiteten Bildthemen der spätmittelalterlichen Frömmigkeit und zeigt die Heilige Anna gemeinsam mit Maria und dem Christuskind als genealogische Dreiergruppe.
Unsere Skulptur zeichnet sich durch eine enge Verschränkung der Figuren und eine lebendige Interaktion aus. Maria erscheint dabei als junges Mädchen, dessen Hand von Anna in einer schützenden, mütterlichen Geste gehalten wird.
Stilistisch ist die Arbeit durch eine weich fließende, teils tief unterschnittene Gewandbehandlung geprägt. Die sanft modellierten Gesichter und die rundliche Auffassung des Kindes verweisen auf eine Entstehung um 1520, an der Schwelle von Spätgotik und beginnender Renaissance.

Die vorliegende Holzplastik entstammt der bedeutenden Frankfurter Sammlung von Albert (1862–1912) und Hedwig Ullmann, geb. Nathan (1872–1945), die seit den 1890er Jahren mit großem kunsthistorischem Anspruch aufgebaut wurde. Sie umfasste mehrere hundert Objekte und zeichnete sich insbesondere durch ihre qualitätvolle Auswahl an Gemälden des 19. Jahrhunderts, mittelalterlicher Skulptur sowie kunstgewerblichen Arbeiten aus.
Die Skulptur "Anna Selbdritt" wird von den Ullmanns 1907 beim Frankfurter Antiquitätenhändler Gustav Mögle erworben und 1916 in der Zeitschrift "Der Cicerone" als wichtiges Werk der Sammlung publiziert.
Nach dem Tod Alberts im Jahr 1912 führt Hedwig Ullmann die Sammlung eigenständig weiter und prägt deren Profil bis in die 1920er Jahre. Als jüdische Sammlerin ist sie ab 1933 zunehmender Verfolgung und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt; 1938 sieht sie sich schließlich gezwungen, Teile der Sammlung zu veräußern. So wird auch die Skulptur "Anna Selbdritt" im April 1938 im Berliner Auktionshaus Hans W. Lange zusammen mit weiteren Werken aus dem Besitz von Hedwig Ullmann versteigert. Noch im selben Jahr verlässt sie Deutschland und emigriert über Italien nach Melbourne, wo sie im Mai 1945 stirbt.
Die Nachfahren des Käufers von 1939 haben sich in Abstimmung mit den Erben nach Hedwig Ullmann unter Mitwirkung von Karl & Faber auf eine einvernehmliche und faire Lösung geeinigt. Das Werk ist damit frei von Restitutionsansprüchen.